Das Zimmer im gelben Haus

Ein Bett, ein Waschtisch, zwei Stühle, mehr nicht, mehr brauchte nicht, van Gogh nicht. Einen Schrank vielleicht noch für dies und das. Ein paar Bilder an der Wand. Künstlerzimmer eben. Mehr braucht man nicht. Der Boden aus Holz, Dielen, grobes Pakett, kein Teppich nicht, kein Teppich, im gelben Haus in Arles, einfach das Zimmer und karg, als wärs eine Klosterzelle fast. In wunderbaren Farben, froh und warm. Zitronengelb, Mohnrot, Himmelblau, Orange.  Doch malte van Gogh das Zimmer schräg fast, schräg, als würde wanken der Boden, wanken, die Bilder schief, hängen schief an der Wand, als begänne der Wahnsinn zu kriechen, als begänne der Wahnsinn. So ist es nicht das Paradiese, das Zimmer im gelben Haus in Arles, kein Ort der Stille nicht. Wollt Ruhe ausdrücken der Maler, wollt Ruhe ausdrücken, doch Unruhe schlich sich ein, schlich.

Vincent van Gogh, Das Zimmer von van Gogh in Arles, 1889

van Goghs Schlafzimmer

Still wird die Welt

Der Mond, längst ist er aufgestanden, siehst du ihn dort, kannst ihn sehn? Die Sterne leuchten, am Firmament, sie leuchten, klar und hell. Noch sitzen Menschen am Cafetisch, noch und kämpfen gegen die Einsamkeit der Nacht. Noch kämpfen sie. Gegangen sind schon viele. Müd und leer wird sie werden, die Stadt. Und doch, hell und freundlich leuchtet, Arles, hell und freundlich bei Nacht. Der Sternenhimmel zieht in die Ferne, sehnsuchtsvolles Schauen, sehnsuchtsvoll, in der Einsamkeit der Nacht. Still wird die Welt, still, doch noch reden sie an, reden sie an. Bald wird es schließen, das Café, bald.

Café am Abend

Vincent van Gogh, Caféterrasse am Abend, 1888

Im gelben Haus

Es zogen zwei Künstler ins gelbe Haus, zwei Maler zogen nach Arles, sie zogen ins gelbe Haus. Zwei Monate halten sie es gemeinsam aus, im gelben Haus. Van Gogh kam, als erster, van Gogh kam und malte und blieb und malte, im gelben Haus, sechzehn Monate blieb van Gogh im gelben Haus und malte und malte und malte. Und lud ein den Gauguin, lud ein und er kam und blieb, für zwei Monate blieb. Danach fehlte dem einen ein Ohr. Wer schnitt es ab, das Ohr, wer schnitt es ab, dem van Gogh das Ohr? War´s der Kollege, war´s? Oder doch er selbst, er selbst? Der Traum vom gelben Haus, der Traum war ausgeträumt, fort zogen sie, die Maler, aus dem gelben Haus. Der eine nach Paris, der andere in die Nervenheilanstalt.

Das gelbe Haus

Vincent van Gogh, Das gelbe Haus, 1888

 

Müde die Augen blickend

Mit einem Ohr nur malte van Gogh, mit einem Ohr nur, seinen Arzt, schwermütig, dunkel, müde sein Blick, mit einem Ohr nur malte, als der Wahnsinn längst von ihm nicht lassen wollte, seinen Arzt, im Süden, Dr. Gachet, erfüllt von unten bis oben mit Melancholie, der süßen schwermütigen Melodei. Als hätten getauscht die Rollen, der Arzt und der Patient, als hätten getauscht, so malte van Gogh, mit einem Ohr nur, seinen Arzt, des Lebens müde, als malte, als malte er sich selbst, als hätte er selbst noch einmal zwei Ohren, zwei. Müde die Augen blickend, ins Weite, ins Weite, verloren der Blick.

Vincent van Gogh, Porträt des Dr. Gachet, 1890

Portrait Dr. Gachet

Dem Meer entgegen

Dem Meer entgegen, dem Meer, zog van Gogh, von Arles nach Saint Maries, und fand das Rauschen der Wellen. Sah Fischerboote, farbenfroh lagen sie da, im Sand, am Strand, wartend auf ihre Besitzer, aufs Meer raus, aufs Meer. Zu fangen die Fische, zu fangen. Als schaute gar nicht hin aufs Meer, aufs blaue, malte van Gogh die kleine Boote, in leuchtenden Farben. Fast, als wäre er glücklich, für einen Tag, malte er farbenfroh die Boote, könnt springen mit ihnen, ins Meer, ins Meer. Und fahren in die Ferne.

Vincent van Gogh, Fischerboote am Strand von Saintes Maries, 1888

Fischerboote am Strand von Saintes Maries