Natürlich Augsburg

Natürlich Augsburg

morgen, das

Cello spielen, Forellenquintett

üben, über 20 Jahre nur üben

nie fehlerlos, Caribaldi

üben muss der Zirkusdirektor

immer wieder, Gewohnheit

Übung der Konzentration

das Kollophonium streicht

über den Bogen, Halt geben

auf den Saiten, über

20 Jahre, als träumte

Caribaldi, als träumte mir

morgen Augsburg

das Leben ein Spiel

ein Theaterstück spielen

morgen Augsburg

das Forellenquintett

als träfe Bernhard Casals

morgen im Theater

in Augsburg, die Gewohnheit

immer nur die C-Saite spielt

Caribaldi, immer nur die

dunklen Töne trifft

Über die Linde

Nein, nicht die Straße, nicht die Lindenstraße, über die Linde. Auch nicht Werbung machen, nein, keine Gase und so. Der Baum. Die Linde. Gibts die Lindenstraße noch? Interessiert das jemand? Über die Linde. Unter den Linden? Nein, keine Straßen, keine. Ich weiss, Unter den Linden ist nicht irgendeine Straße, klar. Für die Berliner zumindest, wir wollen auch nicht über die DDR schreiben. Aber ein schöner Straßenname, Unter den Linden, ein schöner Name. Viele Linden gibt es. Auch an Straßen, klar. Und Tee, Lindenblütentee, hilft bei Katarrhen, hilft, vielleicht auch bei Kopfweh, vielleicht. Schon Riemenschneider benutzte das Holz der Linde und schnitzte und schnitze. Wer träumt nicht gerne, wer träumt nicht, unter ihm, in seinem Schatten, süß, gar süß der Traum, prachtvoller Baum, Platz für viele Träume in einer lauen Sommernacht, wer hätte nicht gerne, wer hätte nicht, eine Bank unter so einem Baum, zu träumen in seinem Schatten, zu träumen.

Franz Schubert, Der Lindenbaum