Der Tod in Idomeni

Es ist passiert. Was passieren musste. Sie könnten im Lager sterben. Oder auf der Flucht. Wir wussten es. Es würde passieren. Es ist passiert. Ertrunken. Bei der Flucht ertrunken. Der Fluss war zu stark. Hat sie fortgerissen aus dem Leben. Es musste passieren. Wer betet für sie? Wer liest die Messe? Wer spielt das Requiem, für die Toten von Idomeni, das Requiem. Die AfD-Wähler werden es wohl nicht sein. Horst Seehofer auch nicht.

Im Tode vereint

Mann und Frau, vereint im Tode, liegend, seziert, geöffnet, der Körper geöffnet, auf den Seziertischen. Für jede Leiche einen, beieinander und doch getrennt. Die Körper ausgeräumt, gesammelt das Herausgeschnittene, gesammelt, in Kübeln neben den Tischen. Warum liegen sie hier? Was hat sie zu Tode gebracht? In die Särge lässt Benn die Leichen schaffen, in die Särge, vereint im Tode, im Grabe. Begehrend nicht mehr, nicht. Keine Musik erschallt.

Gottfried Benn, Requiem