Schlagwort: Musik

Im Advent

Der Mond wird nicht angesungen in der Nacht. Macht kein ernst zu nehmender Mensch. Höchstens die Katzen, oder der Hund, weil er sich zu seinen Vorfahren sehnt. Nachts, wenn schlecht geträumt, heult er los wie ein Wolf, als würde der Mond scheinen und er ihn ansingen. Die Instrument werden im Advent häufig rausgeholt. Der Cellokasten wird auch immer schwerer. Die Musik im Radio ist hirnzerreißend. In den Geschäften träumen die Verkäufer von weißer Weihnacht. Auch der Weihnachtsmann, der hier und da zwischen den Tischen herumspringt. Der Nikolaus ist nicht zu sehen, dabei wird es langsam Zeit. Die Kinder waren doch schließlich brav. Wird wohl seine Stiefel noch putzen müssen. Schnell noch den Teller rausstellen, oder den Stiefel. Er wird schon was bringen. Wäre doch gelacht.

Ihren göttlichen Gesang

Die Musik, eine Frau und spielt, Gitarre spielt. Eine Frau, mit übergroßen Händen, spielt Gitarre, nicht Klavier. Auch Geige nicht, sie spielt, die Frau, mit ihren großen Händen, spielt Gitarre. Das Instrument so klein, so klein in ihren Händen. Zu klein geraten fast, in ihren übergroßen Händen, das Instrument. Als bräuchte diese Frau in Wirklichkeit ja keins. Als könnt sie, ganz auch ohne, die Töne klingen lassen ohne, ganz ohne die Gitarre. Entsprungen dem Olymp, als wäre sie Polyhymnia, die Muse des Gesangs, als könnt sie ohne Leier singen ihren göttlichen Gesang, als könnt sie ohne singen, singen ihren göttlichen Gesang.

Henri Matisse, La Musique, 1939

La Musique