Schlagwort: Meer

Am Meer das Salz #2

Am Meer das Salz von den

Lippen geküsst, sacht plätscherte

die Gischt an den Strand, wir

liefen über den nassen Sand

 

durch´s Haar fuhr der Wind

die Postkarten hatten wenig Text

für Fotos keine Zeit, in der Früh

schwarzen Kaffee, der Sommer

 

schien unendlich lang die Hitze

der Nacht erfreute, Homer wurde

nur selten herausgeholt, die Irrfahrten

 

mussten warten, der Gesang

der Sirenen, so schön

war er, die Insel war nicht weit

erinnerungen

die eismacher wussten nicht, was

sie wollten, ziegenkäse-honig-eis

eher ein irrläufer, kapriolen des

sommers, schwere wolken

 

überziehen den horizont, der donner

treibt die hunde ins haus, bordeaux

riecht nach atlantik, die

trauben gewinnen an kraft

 

auf dem meer hölderlins

reichtum über bord

fallengelassen, erinnerungen

verblassen

das meer kämpft mit dem himmel um das kräftigere blau

warum nicht einfach in der

sonne dösen, die wolken zählen

am firmament, unter feigenbäumen

den mund aufsperren

 

das meer kämpft mit dem himmel

um das kräftigere blau, laura läuft

hier vorbei, kein lied gesungen

nach mitternacht, das tiefe rot

 

im glas vertreibt keine mücken

der lavendel im hof verströmt

herben sommerduft, niemand denkt

an arbeit, nur hier und da

 

mit müder hand, ankämpfend gegen

die mattigkeit des mittags

ein paar verlorene wörter

auf papier geschrieben

Unter Wasser kein Empfang

Die letzten Tauchgänge des U-Bootes brachte nichts zu Tage. Brennstoffzelle lieferte genug Strom. Die Bewohner von Lesbos kämpften immer noch gegen den Schnee. Handyfreie Zone. Unter Wasser kein Empfang. Die Zelte der Flüchtlinge bersten unter der Last. Rettungswesten werden nicht mehr gebraucht. Nicht nur die Ernte der Bauern ist in Gefahr. Auf den Wäscheleinen trocknet keine Wäsche. Übers Meer kommen jetzt keine Flüchtlinge. Schallsignale gehen ins Leere.

Fern

Die Blumen des Bösen vergessen

Mallarmés Würfel längst gefallen

vergangen der Rausch der

tiefen Nacht, wenn Hoffnung

kommt vom Meer, der Engel

wacht über die Liebenden, weiß

lagen die Blumen auf dem Dielenboden

ließ die Segel hießen er in der frühen

Morgenröte, Salz erfüllte die Luft

von Fern die Strahlen wärmen schon

fuhren entgegen dem blauen Azur

 

 

 

Wenn wegfliegt der Hut

Wenn wegfliegt der Hut vom Kopf dem Bürger, wenn wegfliegt vom Kopf, der Wind das Wasser an den Strand, an den Strand drückt, die Wellen hoch und höher türmt, von den Dächern die Menschen auseinanderstürzen, auseinander, die donnernden Lokomotiven mit ihren Wagons nicht ihren Bahnhof erreichen, ungewollte Abweigungen nehmen, sich verirren in den Weiten der Welt, ihren Bahnhof nicht erreichen, heranrast der Halleysche Komet, heranrast, Schnupfen hat die Welt, Schnupfen.

Arm wie eine Kirchenmaus fast

Arm wie eine Kirchenmaus fast, kam an, der Maler in Collioure. Immer wieder und wieder kam Matisse nach Collioure, zehn Sommer lang kam. Eingebettet zwischen den Wellen des Meeres und den Bergen voller Wein, eingebettet, lag der Ort vor ihm, rote Dächer überall, der Wind, die Wellen, das Meer. Und er malte diesen Urlaub, so rosarot der Ort, so türkisblau das Meer, als wär die Welt eine Zauberwelt, kitschig fast, so knall, als hätte die rosa Brille auf, so knallbonbonsrosarottürkisblau die Welt, so kitschig fast, so überirdisch, himmelschön verrückt. Arm wie eine Kirchenmaus fast, kam an, der Maler in  Collioure. So reich an Farben reich beschenkt wurd er von diesem Ort.

Matisse, Les toits de Collioure, 1905

Als Sturm aufkam, als Sturm

Als Sturm aufkam, als Sturm, die Nordsee überströmte, die Wellen sich auftürmten, die Wellen immer höher, die Schiffe sich abmühten, die Wellen rauf und runter, abmühten heim zu kommen, den Hafen zu erreichen, da hörte Heine zart, als wärs von Nah, als wärs von Fern, die Harfenlaute tönen, als Sturm aufkam, der Wind, der Wind pfiff laut und lauter, die Wellen prallen hart, doch Heine hört die Harfe, von Ferne kommen die Töne, getragen übers Meer und hört den wilden, süßen, den himmlischen Gesang der Schönen.

 

Heinrich Heine, Sturm

Am Meer, am Meer

Warum sollte nicht, am Meer liegen Böhmen, warum sollte nicht? Du widersprichst? Hörst du nicht das Rauschen? Die Wellen. Der Wind trägt sie her. Kennst du es nicht, das Böhmerland, kennst du es nicht? Am Meer, dem großen, tiefen, am Meer liegt dieses Land. Ihr Bremer, Hamburger, ihr aus Le Havre und Marseille, ihr großen Seefahrer alle, wart ihr nicht dort? Ihr aus Genua und aus Lissabon, habt ihr nicht gesehen das Böhmerland? Im Böhmerland gedeiht, die Liebe gedeiht. Fahrt hin, ins Böhmerland, es liegt am Meer, den Weg hab ich vergessen, fahrt nur, es liegt am Meer, fahrt nur, am Meer, am Meer.