Unter Wasser kein Empfang

Die letzten Tauchgänge des U-Bootes brachte nichts zu Tage. Brennstoffzelle lieferte genug Strom. Die Bewohner von Lesbos kämpften immer noch gegen den Schnee. Handyfreie Zone. Unter Wasser kein Empfang. Die Zelte der Flüchtlinge bersten unter der Last. Rettungswesten werden nicht mehr gebraucht. Nicht nur die Ernte der Bauern ist in Gefahr. Auf den Wäscheleinen trocknet keine Wäsche. Übers Meer kommen jetzt keine Flüchtlinge. Schallsignale gehen ins Leere.

Fern

Die Blumen des Bösen vergessen

Mallarmés Würfel längst gefallen

vergangen der Rausch der

tiefen Nacht, wenn Hoffnung

kommt vom Meer, der Engel

wacht über die Liebenden, weiß

lagen die Blumen auf dem Dielenboden

ließ die Segel hießen er in der frühen

Morgenröte, Salz erfüllte die Luft

von Fern die Strahlen wärmen schon

fuhren entgegen dem blauen Azur

 

 

 

Das Glatte. Das Gekerbte #Deleuze&Guattari

 

Die Räume, verschiedener können sie

nicht. Glatt der eine,

unberührt, fast jungfräulich

gekerbt der andere. Nicht benötigt

der Nomade die Struktur, die

Einkerbungen, doch lässt sich

auf der neu belegten

vierspurigen Autobahn so wunderbar

es kümmert den Staat und gleicht

doch das Meer, das weite, dem Glatten

frei von Einkerbungen zu sein und doch,

beraubt der Freiheit, liegt ein unsichtbares

Netz von Koordinaten über den hohen Wellen.

Auch die Wüsten ergriffen der Staat, die Wildheit

bezwungen mit seinem Netz, doch setzt

frei Kunst die Räume, lässt Pollock

fern der Struktur Lienen fließen ohne Ziel

kein Alpha und kein Omega, kein GPS

Wenn wegfliegt der Hut

Wenn wegfliegt der Hut vom Kopf dem Bürger, wenn wegfliegt vom Kopf, der Wind das Wasser an den Strand, an den Strand drückt, die Wellen hoch und höher türmt, von den Dächern die Menschen auseinanderstürzen, auseinander, die donnernden Lokomotiven mit ihren Wagons nicht ihren Bahnhof erreichen, ungewollte Abweigungen nehmen, sich verirren in den Weiten der Welt, ihren Bahnhof nicht erreichen, heranrast der Halleysche Komet, heranrast, Schnupfen hat die Welt, Schnupfen.

Arm wie eine Kirchenmaus fast

Arm wie eine Kirchenmaus fast, kam an, der Maler in Collioure. Immer wieder und wieder kam Matisse nach Collioure, zehn Sommer lang kam. Eingebettet zwischen den Wellen des Meeres und den Bergen voller Wein, eingebettet, lag der Ort vor ihm, rote Dächer überall, der Wind, die Wellen, das Meer. Und er malte diesen Urlaub, so rosarot der Ort, so türkisblau das Meer, als wär die Welt eine Zauberwelt, kitschig fast, so knall, als hätte die rosa Brille auf, so knallbonbonsrosarottürkisblau die Welt, so kitschig fast, so überirdisch, himmelschön verrückt. Arm wie eine Kirchenmaus fast, kam an, der Maler in  Collioure. So reich an Farben reich beschenkt wurd er von diesem Ort.

Matisse, Les toits de Collioure, 1905

Als Sturm aufkam, als Sturm

Als Sturm aufkam, als Sturm, die Nordsee überströmte, die Wellen sich auftürmten, die Wellen immer höher, die Schiffe sich abmühten, die Wellen rauf und runter, abmühten heim zu kommen, den Hafen zu erreichen, da hörte Heine zart, als wärs von Nah, als wärs von Fern, die Harfenlaute tönen, als Sturm aufkam, der Wind, der Wind pfiff laut und lauter, die Wellen prallen hart, doch Heine hört die Harfe, von Ferne kommen die Töne, getragen übers Meer und hört den wilden, süßen, den himmlischen Gesang der Schönen.

 

Heinrich Heine, Sturm

Am Meer nur, am Meer, saß Heine

Am Meer nur, am Meer, saß Heine, verloren die Gedanken, verloren. Die Sonne ging unter, ging, Abendrot war, das Wasser färbte sich rot und röter, die Wellen gischten gegen den Strand, die Flut kam näher, die Wellen erzählten eine schöne Melodey. Von verlorenen Märchen und Fabeln, von Schätzen und fernen Ländern, eine schöne Melodey erzählten die Wellen. Die Sehnsucht überkommt Heine, die Sehnsucht, bei dieser schönen Melodey, die erzählt von der Kindheit, als lauschte den Märchen er und Sagen, dieser schönen Melodey. Am Meer nur saß Heine, Abendrot war, die Wellen gischten gegen den Strand und erzählten eine schöne Melodey.

 

Heinrich Heine, Abenddämmerung, 1825-26

Am Meer, am Meer

Warum sollte nicht, am Meer liegen Böhmen, warum sollte nicht? Du widersprichst? Hörst du nicht das Rauschen? Die Wellen. Der Wind trägt sie her. Kennst du es nicht, das Böhmerland, kennst du es nicht? Am Meer, dem großen, tiefen, am Meer liegt dieses Land. Ihr Bremer, Hamburger, ihr aus Le Havre und Marseille, ihr großen Seefahrer alle, wart ihr nicht dort? Ihr aus Genua und aus Lissabon, habt ihr nicht gesehen das Böhmerland? Im Böhmerland gedeiht, die Liebe gedeiht. Fahrt hin, ins Böhmerland, es liegt am Meer, den Weg hab ich vergessen, fahrt nur, es liegt am Meer, fahrt nur, am Meer, am Meer.

Dem Meer entgegen

Dem Meer entgegen, dem Meer, zog van Gogh, von Arles nach Saint Maries, und fand das Rauschen der Wellen. Sah Fischerboote, farbenfroh lagen sie da, im Sand, am Strand, wartend auf ihre Besitzer, aufs Meer raus, aufs Meer. Zu fangen die Fische, zu fangen. Als schaute gar nicht hin aufs Meer, aufs blaue, malte van Gogh die kleine Boote, in leuchtenden Farben. Fast, als wäre er glücklich, für einen Tag, malte er farbenfroh die Boote, könnt springen mit ihnen, ins Meer, ins Meer. Und fahren in die Ferne.

Vincent van Gogh, Fischerboote am Strand von Saintes Maries, 1888

Fischerboote am Strand von Saintes Maries