Nachthimmel

Ist der Himmel klar, der Blick schweift in die unendliche Ferne, träumt im Sternenzelt, schläft der Specht, nicht sein Hämmern erhellt die Nacht, treibt voran die Kälte, die Augen doch hängen an der goldleuchtenden Pracht. Fledermäuse schon länger nicht mehr erblickt. Nur hier und da eine Katze. Leise fliegt der Wind durch  das kalte Geäst. Der Fluss will nicht schweigen. Zu kalt für die Liebenden, wärmt doch der Mond sie nicht. Von der Ferne naht der Zug. Nach Paris. Bestimmt war es der Nachtzug. Vielleicht beim nächsten Mal. Die Nächte sind lang im Dezember. Die Liebe strahlt in den Augensternen. Nachthimmel.

Über das Gänseblümchen

Das Glück liegt auf der  Wiese, klein und zart  Gartenbürstli zärtlich weiss trägst Namen viele gar das Gänseblümchen schön der Name scheinst zu verraten zu schmecken es Geiss und Gäms und Ziege oder nur den Gäns´? Tausendschön wächst gern im Garten fein, auf der Wiese, auf der Wiese, es lieben dich die Bienen Himmelsblume es mag der Mensch dich gern wer zählte nicht der Blüten Blätter Sommerrösslein er liebt mich, er liebt mich nicht er liebt mich und als trugest du einen Kranz von Gänseblümchen fein, mein Herz, es wollt zu dir    

Wenn Tulpen

Wenn Tulpen lächeln übers Land sie färben ein mit Rot und Gelb die Welt Die Vögeln bauen fleißig Wenn Tulpen lächeln in Holland, in Tokio, in Mainz erwacht Natur ist, erwacht legt vor die Tür der Geliebte die Blumen zart, wer kann schon sprechen, wer, von der Liebe viel, legt vor die Tür, die Vögel bauen fleißig ihr Nest    

Lad deine Träume ein

Beobachte. Krokodile, Elefanten, Schlangen, Spinnen. Schau sie genau an. Lad ein zum Teekranz den Herzensbrecher, Wortdieb, Bilderzerstörer, lad ein. Lad ein die, die deine Schwiegermutter nicht sehen will, lad ein. Lad deine Träume ein, deine großen und kleinen. Die geheimen und wilden. Lad deine Träume ein. Im Kino gewesen, geweint, sagt Kafka, im Kino gewesen und geweint. Liebe die Freiheit, das Leben, aber Liebe. Jeder ist ein Künstler, jeder. Lad das Kind in dir ein und feiere mit ihm ein Fest. Freu dich und male, zeichne, freu dich und schreibe. Schaukle auf der Himmelsschaukel, schaukle.   Joseph Beuys, Jeder Mensch…

Rezept gegen Liebesleid

Wenn verlassen dich die Frau, betrogen und verraten, hinter Licht geführt und was besseres gefunden, wenn verlassen hat die Frau, so weine nicht, so weine, such dir eine, such dir eine, eine andere und so war Heine ganz leicht und war schon auf und davon, geschnürt die Schuhe, den Rucksack geschultert, den Koffer gepackt und wanderte und wanderte und war schon in Bonn, Göttingen, Paris, auf und davon und wanderte und sah das Meer und sah den Berg und weint ein wenig und wanderte und ging im Harz und an die Nordsee, nach England und Italien, auf und davon, auf…

So treibt die Liebe

Liebt, liebt, liebt, ein junger Mann, ein junger Mann eine junge Frau, liebt, ach liebt, eine junge Frau, doch liebt die junge Frau, doch liebt die junge Frau, einen anderen Mann liebt die junge Frau. So nimmt ihrem Lauf, die Liebe, ihren Lauf. Der andere Mann liebt eine andere, eine andere Frau. Komme du noch mit? Und heiratet diese, diese andere Frau. Vor Wut, vor Zorn, vor Bitterkeit und Eifersucht heiratet, heiratet die junge Frau den nächsten, ersten, besten, gerade herumlaufenden und unverheirateten Mann. Der junge Mann nun, der junge Mann nun, arm dran ist nun der junge Mann, arm…

Saßen unter der Linde

Auch die Droste saß schon unter einer Linde und lauschte, den Vögelein lauschte, ihrem feinen Zirpen, im Mai war es als saß, die Droste unter einem Lindenbaume, die Schmetterlinge kreisten, ums Haar ihr kreisten, sie saß versteckt im Strauche und blickte und lauschte, voller Neugierde auf die Welt und sah der Liebe zu und sah. Doch tandaradei, tandaradei, schon vorher der Walther unter einer Linde saß. Und sang die Nachtigall, tandaradei, schön sang sie, schön, auf Blumen und Wiesen, unter der Linde, gewesen derer zweier Bette und küssten sich und küssten, den Mund ganz rot. Verschwiegen, verschwiegen, die Nachtigall. Annette von…

Als Sappho sich verzehrte

Fern im Osten liegt sie, die Insel, vor der Küste der Türkei. In der Ägäis, Kleinasien nicht weit, nur ein Sprung fast, nur. Ausgespuckt von einem Vulkan, ein fast göttlicher Schöpfungsakt. Ausgespuckt. Weit hinauf gen Himmel reicht sie. Schon die Spartaner wollten ihr zu Leibe rücken. Auf Lesbos Sappho sang von den Frauen, den schönen, verzückt von der Liebe, betet sie an die Aphrodite, herabschreiten soll sie, die Göttin der Liebe, herab, bringt da Blumengirlanden und Weihrauch am Altar, Sappho, die Frauen liebte und sich sehnte, nach der Liebe und verzehrte. Vor der schaumumwobenen Küste, gestorben wird heut, der Liebe…