Schlagwort: Heinrich Heine

Rezept gegen Liebesleid

Wenn verlassen dich die Frau, betrogen und verraten, hinter Licht geführt und was besseres gefunden, wenn verlassen hat die Frau, so weine nicht, so weine, such dir eine, such dir eine, eine andere und so war Heine ganz leicht und war schon auf und davon, geschnürt die Schuhe, den Rucksack geschultert, den Koffer gepackt und wanderte und wanderte und war schon in Bonn, Göttingen, Paris, auf und davon und wanderte und sah das Meer und sah den Berg und weint ein wenig und wanderte und ging im Harz und an die Nordsee, nach England und Italien, auf und davon, auf und davon, wenn verlassen hat die Frau ihn und suchte und fand und suchte und fand, die Liebe neu. Frei wie ein Vogel in den Lüften.

Heinrich Heine, Wandere!,

So treibt die Liebe

Liebt, liebt, liebt, ein junger Mann, ein junger Mann eine junge Frau, liebt, ach liebt, eine junge Frau, doch liebt die junge Frau, doch liebt die junge Frau, einen anderen Mann liebt die junge Frau. So nimmt ihrem Lauf, die Liebe, ihren Lauf. Der andere Mann liebt eine andere, eine andere Frau. Komme du noch mit? Und heiratet diese, diese andere Frau. Vor Wut, vor Zorn, vor Bitterkeit und Eifersucht heiratet, heiratet die junge Frau den nächsten, ersten, besten, gerade herumlaufenden und unverheirateten Mann. Der junge Mann nun, der junge Mann nun, arm dran ist nun der junge Mann, arm dran ist nun der arme Mann. Wie geht es weiter, wie geht es weiter. Heine erzählt es nicht. So treibt die Liebe ihr Spiel, das Herze bricht entzwei, das Herze bricht entzwei, dem junge Mann bricht. Und doch läuft sie weiter, die Liebe, läuft sie weiter und treibt ihr Spiel.

 

Robert Schumann Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Heinrich Heine, Ein Jüngling liebt ein Mädchen, 1822

Einen Hering im Schnabel

Als ausfuhr der Fischkutter, still war die See, die Wellen waren faul, nur leise plätscherten sie dahin, die Wellen, zart und leis. Die Mannschaft döste in der Sonne, döste, gelangweilt auch der Kapitän. Doch kommt der Dieb, doch kommt, herab vom Himmel kommt, eine Möwe keck und frech und schnappt sich, schnappt sich, vor den großen Augen des Kapitäns, einen Hering einfach, einen Hering, einfach aus der Tonne und fliegt davon, fliegt, mit flinkem Flügelschlage, auf und davon, den Hering im Schnabel.

Heinrich Heine, Meeresstille

Im Hafen, im

Vorbei die Stürme, vorbei, gelandet im glücklichen Hafen, in Hamburg, in Bremen, gelandet, geborgen, fern der Stürme, der Wellen, dem Meer, gelandet im glücklichen Hafen, gekommen von der Herren Meere, aus Amerika, aus Afrika, aus Indien, die Männer sind heimgekommen, heimgekommen von hoher See, aus aller fernen Länder und freuen und trinken und essen und lieben, im Hafen, fern der Stürme, fern der See und lauscht Heine ihren Geschichten, von fernen Ländern und Frauen und Liebe und Glück, im Hafen, im glücklichen Hafen, in Hamburg oder Bremen, lauscht Heine den Männern, die heimkommen, die heimkommen von Hoher See

 

Heinrich Heine, Im Hafen

Als Sturm aufkam, als Sturm

Als Sturm aufkam, als Sturm, die Nordsee überströmte, die Wellen sich auftürmten, die Wellen immer höher, die Schiffe sich abmühten, die Wellen rauf und runter, abmühten heim zu kommen, den Hafen zu erreichen, da hörte Heine zart, als wärs von Nah, als wärs von Fern, die Harfenlaute tönen, als Sturm aufkam, der Wind, der Wind pfiff laut und lauter, die Wellen prallen hart, doch Heine hört die Harfe, von Ferne kommen die Töne, getragen übers Meer und hört den wilden, süßen, den himmlischen Gesang der Schönen.

 

Heinrich Heine, Sturm