Schlagwort: Glück

nachtgesang

das dunkle der nacht, der

sohn des kronos bringt dem

achilleus das leierspiel bei

das wild des waldes durchzieht

die finsternis, der augustdonner

 lässt verkriechen die menschen

hinter der ofenbank,  das mondlicht

schimmert fahl, in seinem glanz

tanzen die totengräber, du erzählst

von liebesleid? die wollust verflogen

das geklimmpere auf dem klavier

verstummt, hölderlins glück

zum teufel gejagt, deine küsse

geben keinen halt, der wind pfeift

durch die blätter

Als Nietzsche kam nach Sils Maria

Als Nietzsche kam nach

Sils Maria und wanderte

über Tal und Berg, der Sonne

entgegen und dem Mond

 

den Schatten kommen sah und gehen

da wurde fröhlich ums Herz

ihm, die Gedanken fingen an

zu kommen, als wär gesund

 

er und trunken vor

Glück, die Heiterkeit

umgab ihn, drob in den

Bergen, drob in Sils

Ein kapitaler Hirsch

Im Herbst geht der Schriftsteller auf Jagd. Großwildjagd. Keine Hasen oder so ein Gedöns. Hirsch, Reh, zur Not auch Gams. Nachts auf der Lauer liegend. Spüren, wie die Kälte in die Füße dringt. Die  Handschuhe nur wenig gegen den Frost schützen. Zum Glück keine Nässe. Das Fernglas überwacht die Wiesen vor den Wäldern. Klapprig ist der Hochstand und wenig geschützt gegen den eisigen Wind. Hilft nichts. Für einen stattlichen Hirschen muss man Opfer bringen. Bald kommt die Morgendämmerung. Es wird langsam Zeit. Jetzt sollte aber wirklich. Da. Ein leises Knacksen. Aus der Böschung. Noch im Gestrüpp. Was für ein Geweih. Jetzt blos keinen Fehler machen. Langsam das Gewehr anlegen. Schon fallen dem Schriftsteller die Worte ein. Der Roman wird großartig werden. Ganz bestimmt. Der Verleger wird ihn aus den Händen reißen. Ein kapitaler Hirsch.

Ohne Hände #Grimm

Nicht widersteht der

Vater dem Teufel.

Verraten hat, in seiner

Gier, der Vater die Tochter.

 


Die Hände abhacken er

ihr, aus Feigheit, aus

Angst, nicht opfert sich.

Der eigenen Tochter die

 


Hände abhackt, nicht selbst

sich richtet. Die Tränen

nicht geholfen haben ihr

doch fern sie findet

 


die Hände verschnürt

auf dem Rücken

das Glück im

Garten, verstümmelt

 


und doch das Glück

Gewiss doch des Glücks

Verloren, das Paradies, verloren, Erinnerungen der Kindheit, Erinnerungen. Eingedenk des Vergangenen, eingedenk des Grauens, verloren das unschuldige Paradies. Hat Huchel das Paradies verloren, das Kinderglück, die Geborgenheit, die Freude über den Gesang der Vögel, im glücklichen Garten wuchs das zarte Gras. Erinnerungen, unsicher und doch gewiss, gewiss nicht der Namen, gewiss nicht der Orte, gewiss doch des Glücks, des Glücks in einem wundervollen Garten geborgen gewesen zu sein.

Peter Huchel, Der glückliche Garten, 1948