Schlagwort: Florenz

Düsseldorf HBF

Ein Bahnhof teilt Welten. Die Einen steigen in den ICE ein und fahren zum Flughafen. Andere von der Nachtschicht mit der S-Bahn nach Hause. Manche steigen gar nicht ein und winken den Abreisenden hinterher. Doch einige sind nur da, weil es was gibt. Suchen im Müll nach Pfandflaschen oder Lebensmittel, suchen den Boden ab nach Rauchware. Maria wartet auf ihren Zug nach München. Eine Reisende, vielleicht in Urlaubslaune, gibt einem Suchenden Kleingeld. Erleichtert und froh geht sie zu ihrer Reisegruppe. Vielleicht Frankfurt-Flughafen. Der Beschenkte geht weiter seiner Tätigkeit nach, durchwühlt den Müll, nachdem er das Geld eingesteckt hat. Sein Gang zeugt nicht von Gesundheit. Sein Alter kann Maria schwer schätzen. Wer mit dem ICE reist, ist privilegiert. Auf ihrem Bahnsteig stehen bessere gekleidete Fahrgäste. Manche wollen in die weite Welt fliegen. Heim nach Tokio, endlich mal New York, Zumindest Mallorca ist drin. Andere haben einen Junggesellenabschied geplant. Größere Vorräte weisen das Ziel. Maria hatte Freunde besucht, Bilder angeschaut. Kein Flug in die Ferne. In einigen Tagen würde sie nach Florenz fahren. Zur Familie. Aber erst heim nach München. Sie musste nicht vom Müll leben.

Richter in Florenz

Unschärfe entsteht verschieden. Richter malt unscharfe Gemälde von scharfen Fotografien. Oder Richter nimmt scharfe Fotografien und macht sie unscharf. Florenz/Firenze, die Stadt der Touristen, die Sehnsuchtsstadt der Deutschen in der ach so geliebten Toskana, die überschwemmte Stadt, die Stadt, die im Sommer kaum noch atmen kann vor lauter Menschen, die mit ihren Kameras die Stadt ablichten, auf den Spuren der Medici, Michelangelo David anschauen, oder die Venus von Botticelli in den Uffizien. Millionen Fotos, Millionen Ansichtskarten zeigen diese Stadt. Und Gerhard Richter übermalt diese Fotos, gegen den Strom der Touristen, gegen die ach so bekannten Fotografien und Ansichtskarten. Übermalt mit Öl die Fotografien, übermalt und gibt der Stadt ihr Geheimnis wieder.

Firenze

Gerhard Richter, Firenze (7/99), 2000