Olsztyn: Janusz

Die Winter sind lang in Olsztyn. Die Seen lange zugefroren. Janusz mag die Winter. Geht gerne zum Eisfischen. Grillt gerne im Winter. Geht auch auf die Jagd. Hirsch oder Reh. Trinkt gerne auch Wodka. Nicht zu viel. Aber es ist kalt in Olsytyn. Er fuhr die Straßenbahn. Seine Arbeit machte er gerne. Auch sein Großvater war immer Straßenbahn gefahren. Dann hatte es lange Zeit keine mehr gegeben. erst seit ein paar Jahren gab es sie wieder. Janusz fuhr lieber mit der Straßenbahn. Früher war er Busfahrer gewesen. So ein Straßenbahnzug hatte was stattliches . Machte einfach mehr her als ein Bus. Die Fahrgäste mochten auch die Straßenbahn. Fuhr ruhiger über die Straßen. Weniger Ruckeln. Die Tramino-Züge waren ganz modern. Niederflur. 15 Züge gab es in Olsztyn. Wenn seine Jungs mit der Schule fertig waren, fuhren sie oft aus Spaß mit. Setzen sich hinter ihrem Vater. Janusz war dann besonders stolz. Machte manchmal lustige Durchsagen. Aber nur manchmal. Er wollte seinen Job ja nicht verlieren. Manchmal gab es Probleme mit den Schienen. Wenn es kalt war. Die Weichen gingen dann manchmal nicht richtig. Doch Janusz mochte den Winter. Sie grillten dann im Garten. Freunde kamen. Die Kinder halfen. Sie tranken auch Wodka.

Bydgoszcz: Ewa

Sie ging gerne an der Brda spazieren. Sie liebte das Plätschern des Wasser. Wenn sie vom Flughafen heim kam, liebte sie die Ruhe. Gerne arbeitete sie am  Ignacy-Jan-Paderewski-Flughafen. Die Tätigkeit war für sie immer abwechslungsreich. Obwohl eigentlich jeden Tag das gleiche los war. Aber sie traf immer Menschen, konnte mit ihnen reden. Meist auf Polnisch. Immer wieder auch auf Englisch. Der Flughafen war nicht besonders groß. Aber die Welt lag einem zu Füßen. Immerhin flogen über 300.000 Menschen über den Flughafen. Ewas Familie hat schon lange in Bydgoszcz. Nach dem 1. Weltkrieg war sie hergezogen. Vorher war hier Preußen. Ihr Urgroßvater hatte den Einmarsch der Deutschen   zu Beginn des 2. Weltkrieges erlebt. Überlebt hatte er den Krieg nicht. Ewa hatte ihn als kleines Kind gekannt. Viel wusste sie nicht über ihn. Irgendwann hatten ihn die Nazis geholt. SS-Leute. Irgendwann hatte die Urgroßmutter Post bekommen. Er ist wohl erschossen worden. Im „Tal des Todes“. Was genaues hat man nicht erfahren. Ewa lebt gerne in der Stadt. Gern geht sie an der Brda spazieren. Manchmal fliegt sie nach Frankfurt. Ihre Tochter lebt dort.

Kuchen backen

Für Franz waren die Zeiten der Aufregung vorbei. Der Koalitionsvertrag stand soweit, Schulz war zurückgetreten und die Regierung sollte jetzt mal wieder zu arbeiten anfangen. Ein Nachtreten nicht erforderlich. Und was draus würde, würde sich zeigen. Jeder hatte gewählt oder gegebenenfalls eben nicht und die Politiker sollten jetzt ihre Arbeit machen. Franz stürzte sich jetzt lieber wieder auf seine Lektüren. Der Fasching ging relativ spurlos an ihm vorbei. Vielleicht würde er am Abend ihn sehen. Gestern Abend hatte er kurz in den Fernseher geschaut. Mainz bleibt Mainz. Hatten seine Großeltern geliebt. Schien ihm irgendwie aus der Zeit gefallen. Trotz aller Modernisierung. Früher hatten sich die Menschen auf die Sendung gefreut. Heute geschieht dies wohl nur noch bei Dschungelcamp. Das ernstzunehmende Zeitschriften darüber schrieben, verwunderte ihn sehr. Das Niveau der Bild-Zeitung war auch beim Spiegel angekommen. Zumindest online. Für ein wenig Aufmerksamkeit macht man eben viel. Zur Not auch viel Quatsch. Die Fußball-Bundesliga pflegte derweil seine Langeweile. Hintern Bayern war viel Platz und keiner wollte ihn haben. Von Foucault soll ein neues Buch erscheinen. Im Radio hatte es dazu eine Sendung gegeben. Für Sonntag wollte er noch einen Kuchen backen. Schaffte er nicht immer. Doch wenn er das Wochenende nicht in den Bergen war, liebte er es. Maria auch.

Als Sturm aufkam #2

 

Als Sturm aufkam, die Nordsee überströmte, Wellen sich auftürmten, immer höher, die Schiffe sich abmühten, rauf und runter, abmühten heim zu kommen, den Hafen zu erreichen, da hörte Heine zart die Harfenlaute tönen, als Sturm aufkam, der Wind pfiff laut und lauter, die Wellen prallen hart, doch Heine hört die Harfe, von Ferne kommen die Töne, getragen übers Meer und hört den wilden, süßen, den himmlischen Gesang der Schönen.

Marcs blaue Pferde #2

 

Blau. Natürlich blau. Sind Pferde blau. Sind Blumen blau. Sagt Novalis. Blau. Auch Klein malte blau. Aber es war ein anderes. Die Pferde blau. Wie kann man nur? Und wie schön. Entartet für die Nazis.

Irrte Marc doch, als er gegen die Franzosen ritt.  Aber klar. Hast du schon mal blaue Pferde gesehen? Und dann auch noch gelbe Kühe. Die Chinesen vertragen doch gar keine Milch. Und dann gelbe Kühe! Wie schön die Pferde doch zum Turm sich bilden.

Austragshäusl

Lange Zeit hatte Franz die deutschen Außenminister geschätzt, gemocht, geachtet, machmal sogar geliebt. So erging es vielen Deutschen. Franz konnte sich nicht immer an alle Außenminister erinnern. Dass Brandt einmal Außenminister war, hatte er selber nicht erlebt. Dafür war er auch zu jung. Auch, dass er Kanzler war, hat er nicht bewusst erlebt. An Genscher als Außenminister konnte er sich noch gut erinnern, an seine gelben Pullover und seine Ohren. Sein Nachfolger, Kinkel, hat er dagegen fast vergessen. An den ersten grünen Außenminister konnte er sich dagegen gut erinnern. Und das erstaunliche schien Franz dabei, dass auch Fischer, obwohl Ex-Sponti und ehemaliger Turnschuheträger, als Außenminister recht beliebt war und durchaus von vielen geschätzt wurde. Auch Steinmeier hatte das Amt, keine Frage, gut ausgefüllt und sich Respekt erworden. Dazwischen gab es wohl noch einmal einen FDP-Minister. Für Franz schien es, dass das Amt in jüngster Zeit rapide an Bedeutung verloren haben musste. So wie der Altbauer, wenn er den Hof übergibt, umziehen muss, aber natürlich nicht vom Hof gejagt wird, scheint das Außenministerium nun ein Austragshäusl zu sein. Schien früher vielleicht das Amt des Bundespräsidenten ein solches zu sein, ist für Franz der Plan, einen Politiker, der weggeschickt wird und nicht mehr gebraucht wird, dorthin zu versenden, eine eher absurde Idee. Franz dachte immer, dass Politiker eine gute Rente bzw. Pension bekommen würden. Hatte er da was übersehen? Ist dies ein neues soziales Projekt? Gescheiterte Kanzlerkandidaten bekommen als Versorgung ein Ministeramt, obwohl sie keiner mehr Ernst nimmt? Die Zeiten haben sich wohl geändert. Gelbe Pullover hat man schon lange nicht mehr so ernsthaft und mit Würde getragen wie Genscher.