bei kirke #2

die insel lag ruhig beim vorbeifahren
eichen wucherten überall, auch sonst
viel baum sie bedeckte, ein paar häuser
sie besiedelten, eine villa gar. freundlich
die gastgeberin uns begrüßt, wir, die wir
fast verdurstet sind von der langen fahrt
übers meer, hungrig fallen wir über das
dargereichte essen, bis wir fallen
in einen unruhigen schlaf

Im Sommerhaus #2

Rittersporn, Rosen, Hyazinthen, die Bäume

hängen schwer mit ihren Früchten, Johannisbeeren

neckisch auf hohen Stämmen, Brombeeren ranken wild

Kinder springen über Wiesen, wenn Freunde kommen

wird der Abendstern begrüßt, die Schwalben und die

Kohlmeisen umflattern die Köpfe, im Sommer besuchen

uns auch die Wespen.

Walchensee

Das Freibad war viel zu voll und das Wasser zu warm. Keine Erfrischung. Kleinere Seen halfen da auch nicht weiter. Bei solchen Temperaturen musste der See hoch liegen. Hoch und eigentlich immer viel zu kalt. Franz wusste da Rat und fuhr mit Maria hin. Der Walchensee war nie wärmer als 22 Grad. Franz und Maria waren von Lenggries aus mit dem Rad hingefahren. Eher ruhig durch die Jachenau. wenig Touristen unterwegs gewesen. Das Wasser war türkis. Der Aufstieg zum See hatten sie gut geschafft. Kühl der See. Später würden sie in der Jachenau einkehren. Später. Sie würden großen Hunger haben. Der Proviant am See längst aufgezehrt sein. Die Sonne ging noch lange nicht unter. Sie mussten noch nicht heim. Ein Zug würde schon noch fahren.

pariser leben #2

im schatten von flaubert durch die alleen

gewandert, in der sonne geraucht, mittags

auf der parkbank den tauben nachgeschaut

sartres sein mit der fußspitze gespürt, keinen

halt gefunden, den geistern von universität

paris VIII davongelaufen, die kinderwägen

schiebenden mütter gehen ins café, bauern

sieht man hier keine, die libération unterm arm

geklemmt, kein lächeln im louvre, im quartier

saint-germain-des-prés nach verlorenen gedanken

gesucht, die bilder von godard verloren

Stadtflucht in der Hitze

Die Fahrt zum See musste sein. Schon in der Früh. Fast kühl noch die Luft. Im Zug zum Chiemsee. Franz und Maria mussten raus. Erst mal ins Wasser. Ganz schön lau schon in der Früh der See. Später mit dem Rad ein paar Runden gedreht. Schatten gab es nicht immer. Die Berge grüßten. Sie würden ein paar Tage bei Freunden bleiben. Stadtflucht in der Hitze. Später lagen sie wieder im Wasser. Sie froren nicht. Als wären sie am Mittelmeer. Zu warm eigentlich für eine Abkühlung. Franz mochte es lieber frischer. Am Abend würden sie Fisch grillen. Zander. Franz liebte den Zander aus dem Chiemsee. Tomaten würde es geben. Gurken. Was so wuchs im Garten. Und kühlen Wein. Riesling. Mehr nicht. Weniger nicht.

Über den Brenner #2

Nachtzug nach Rom. Liegewagenabteil.

Wer steigt zu? Zusammengewürfelte

Menschen für eine Nacht. Damals musste

man den Pass abgeben. Um in der Nacht,

am Brenner, nicht gestört zu werden. Auf

dem Gang ein Bier. Eine Zigarette. Nur nicht

zu früh hinlegen. Es ist, als würde man die

Zitronen schon riechen. Das Rattern über die

Gleise. Sekunde für Sekunde. Nach dem Brenner

wird es Stunde um Stunde wärmer. Der gereichte

Kaffee langt. Roma Termini in Sicht. Schnell noch

alles wieder in den Rucksack.

Wo werden wir schlafen? Egal.

Citta de Castello #2

Umgeben von der alten Mauer das Centro, gerne

radeln hier die Einwohner von einen Geschäft

zum nächsten, Rollerfahrer sind fast eine Minderheit

lässig im Spätsommerchick gekleidet wird hier und da

gehalten, gegrüßt, nach dem Abziehen des Helms müssen

erst einmal die Haare sortiert werden, auch aufs Smartphone

fällt der Blick, bevor er sich einen Kaffee gönnt. Ein leichter

Wind bläst durch die Straßen, die ersten Frauen tragen schon ihre

hohen Stiefel, erst gegen Mittag entsteht ein wenig Hektik, schnell

müssen noch Zutaten fürs Essen gekauft werden. An der Kasse

wird ein wenig gedrängelt.

Siegfried allein

Siegfried schwimmt über den Rhein davon. Die

Kleider der Opernhausgänger sind kürzer

geworden. Der Duft des Phlox liegt süß in der

Luft. Fußgängerzonengeher treffen nur hier und

da Radfahrer.  In der Früh noch alles aufgeräumt

LKWs liefern in der Zone. Andere Heilige haben

die Italiener. Abgeerntet die roten Beeren

Nach Wasser dürsten die Anemonen. Siegfried

allein

Leichtes Leben #2

Einfach so, an einem Sommertage

einfach so, der Himmel unverschämt blau

einfach so, eine wunderbare Laune der Natur

an einem Sommertage, liegt da auf der Wiese

liegt und lässt sich scheinen die Sonne ins Gesicht

gemildert nur der Schein durch seine Hand, still

geworden, Ruhe eingekehrt, weder Schaf noch

Ziege in der Näh, die Arbeit fern, Minutenglück als

stände still sie, die Welt, die nackten Füße baumeln

fast, so leicht das Leben, die Grillen singen ein Lied.

Ziegenhirte, Schafhirte, einerlei. Vergessen die Welt

kein Sehnen und Suchen

erinnerungen verblassen #2

die eismacher wussten nicht, was sie

wollten, ziegenkäse-honig-eis eher ein

irrläufer, kapriolen des sommers, schwere

wolken überziehen den horizont, der donner

treibt die hunde ins haus, bordeaux riecht nach

atlantik, die trauben gewinnen an kraft

auf dem meer hölderlins reichtum über bord

fallengelassen, erinnerungen verblassen