Kottbusser Tor

Auf Stelzen ratterte die U-Bahn vorbei, ihr Gelb

erinnerte an alte Postbusse, die die Berge

hinauffuhren, keinen Gipfel gesehen das

Kottbusser Tor, die Bank bot wenig Komfort,

Bein an Bein, Aug an Aug, die Nächte waren

schon lange nicht mehr lang und doch lag eine

große Müdigkeit über die Fahrgäste. Bis zur

Warschauer Straße ist es nicht mehr weit. In

der Lausitz lange nicht mehr gewesen, müde

geworden der Stier.

Straßenköter

Streunende Straßenköter an jeder Ecke. Der

tiefergelegte BMW ist frisch aufpoliert, sein

Alter nur zu erahnen, der Asphalt hatte hier

und da Risse, Löwenzahn hat sich eingenistet.

Am Kiosk gibt es kühles Bier und Zigaretten.

Bemalungen auf der Haut sind hier Pflicht.

Zeit ist kein Faktor an diesem Platz. An den

Stehtischen ist kein Platz frei für Fremde. Das

Futter ist einfach und reichlich. Mehr braucht es

nicht zum Glück.

Später heulen die Motoren auf.

Später.

Die Stachelbeere #2

Im Sommer gibt es gar sonderliche Früchte im Garten zu essen. Nicht nur süße. Stachelbeeren z. B. Er aß sie manchmal gerne, diese sauren Früchte, die die Vögel, anders als die süßen Kirchen, gerne am Ast hängen lassen. Viele hatte er nicht im Garten, doch genug, um immer wieder eine Hand voll davon essen zu können. Die Mungatzen,
Ägäisch oder Druschen. Weit verbreitet und doch wenig geliebt. Erdbeeren gibt es überall an jeder Ecke in lustigen Erdbeerhäusern zu kaufen, aber ein Stachelbeerhaus? Hatte er nie gesehen. Marmelade kochte er gerne aus den Beeren, die am Strauch noch übrig blieben. Da zog sich der Mund weniger zusammen. Sein Großvater hatte früher gerne auch Kompott daraus gemacht, doch Kompott ist auch aus der Zeit gefallen.

Wellen bereden ihren langen Weg

Abgelaufener Himmel in der Abenddämmerung, die

rote Sonne schickt die Vögel in den Schlaf, später

werden die Glühwürmchen sich durch die Nacht

treiben, mit den letzten Kirschen fliegen die Amseln

heim. Die Kinder haben ihre Fahrräder in die Garage

gestellt, müde trägt der Nachbar seine Hängematte

ins Haus, vom Fluss ertönt leise Musik, Wellen

bereden ihren langen Weg von den Bergen, die Stadt

will noch nicht schlafen und doch träumen wir

Holzhammer

Franz mochte keine Holzhammer. Trump anscheinend schon. Hatte seinen gern dabei und mal wieder damit draufgehauen. Für Porzelanzerschlagungen aller Art ungemein effektiv. Für eine sinnvolle Politik doch eher ungeeignet. Merkel machte da eine bessere Figur. In Russland würde bald der Fußball beginnen. Noch war Franz ganz entspannt, obwohl es schon die ersten Einladungen gab. große Euphorie verspürte er noch nicht. Allmählich entwickelte er sich zum Gewitterexperten. Würde er noch trocken nach Hause radeln können oder doch schlagartig nass werden? Der Frühling, der kein Frühling war, bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. Kein Tag verging ohne Gewitterwolken am Horizont. Erdbeermarmelade schon eingekocht. Die Sonne hatte ihnen Süße eingetrieben. Auch die Kirschen reiften im Akkord. Der Duft der eingekochten Marmelade liebte Franz. Gerne verschenkte er auch das eine Glas. Oder das andere.

Junigewitter

Die süßen Kirschen verleiteten zu riskanten

Klettermanöver, den gierigen Vögeln

zuvorkommend wollend, schwarze Wolken

drückte das Gewitter runter, barfuß sah man

 

viele später Radeln, die aufgeweichten Schuhe

irgendwo verstaut, die Sehnsucht nach den Küssen

der Geliebten trieb ihn voran, die nassen Kleider

beschleunigten nur seinen Tritt, Erdbeeren

 

wanderten zwischen den Mündern, laut sang er eine

Arie von Verdi, immer wieder La Donna e mobile

Ultramarin Pigment blue 29 #2

Übers Meer, so glaubte er zu finden das richtige Blau, übers Meer. Hinter den Wellen.
Nicht irgendein, ein himmlisches, nicht von dieser Welt seiendes Blau zu malen Maria und Jesus. Im Norden von Afghanistan fand er es, das Blau, welches himmlisch war, viel zu blau für das Meer, viel zu blau für den Fluss, nur für Jesus und Maria brauchbar war es, nicht von dieser Welt, übers Meer gefahren, hohe Berge überlaufen fand er das überseeische Blau und malte den Sohn Gottes und die Gottesmutter Maria.

wagners walküren #2

wolken jagen einander im grimm

auf den Feldern erheben sich die

Sonnenblumen und grüßen den mais

 

schafe zählen kann man später immer

noch, vor dem hof hängt die wäsche im

wind, die räder werfen ihren schatten

 

wagners walküren reiten über den hügel

das wirtshaus öffnet schon lange nicht mehr

spinnnetze versperren den weg