Kategorie: Lyrik

Zimtsterne

unter dem Nussbaum wird nicht

getanzt, die Blätter des Herbstes

zusammengerecht, wenn Schnee fallen

würde, könnte man dort gut einen

 

Schneemann bauen, nur die Kinder sind

längst weitergezogen, das Wasser schläft

im Teich, verwegene Enten laufen Schlittschuh

aus der Küche kommt der Duft von

 

Zimtsternen, Lieferung via Luftpost wird

gewünscht, längst ist Großmutters Kreuz

ein Kreuz, die Bären machen längst ihren

Winterschlaf, der Mond steigt auf

ausgespuckt vom nachtzug #2

ausgespuckt vom nachtzug am

helllichten morgen. die hitze

schlägt ins gesicht. roma termini

schnell in eine bar. cappuccino. corni

 

schwüle luft liegt in der straße. das

quartier für die nacht suchen. schreiende

männer wollen uns schon eins zeigen.

der aufzug nach oben ist abenteuerlich

 

ein käfig aus stahl. alter? ob im

museum noch ein platz für ihn frei ist?

geduscht, rein in die ewige stadt. hält

die rotunde noch vom pantheon?

der gang durch die welt

überhaupt und sowieso war der gang

durch die welt ein verschlungener weg

der schnee deckte die wege zu, als ginge

verloren und doch ein ziel, schlendernd

ohne eile, geschwind im wind, fuß vor

fuß, hier und da eine rast. stärkung schadet

nicht bei dem langen weg, nicht jeder ist

für marathondistanzen geeignet, für die

anderen ist die überquerung der alpen ein

erfrischendes bad in der morgensonne. das

ganze schien ihm scheint mitunter verschwommen

vor augen, der nebel lässt sich nicht immer

vertreiben

Die Märchen lagen im Kühlschrank

Die Märchen lagen im Kühlschrank. Sicher

ist sicher. So bleibt das Blut länger frisch.

Abgehackte Hände sind ja keine Kleinigkeit.

 

Von Milchflaschen umgeben, eingezäumt

von Joghurt und Käse. Im Gefrierfach die

Alpträume eingesperrt. Zwischen den

 

Eiswürfeln und der Fertigpizza liegen sie gut

gebettet. Der Zauber ist dahin. Unter der

Bettdecke ist große Finsternis.

einen hering im schnabel #2

als ausfuhr der fischkutter, still

die see, die wellen faul, nur leise

plätscherten sie dahin, zart und leis

die mannschaft in der sonne

 

döste, gelangweilt auch der kapitän

doch kommt der dieb, doch kommt

herab vom himmel, eine möwe keck

und frech, schnappt sich, vor den

 

großen augen des kapitäns, einen

hering, einen hering, aus der

tonne, fliegt davon, fliegt,

 

mit flinkem flügelschlage

auf und davon, den

hering im schnabel

 

zu Heinrich Heine, Meeresstille

 

zieht abend übers land #2

zieht abend übers land

zieht abend, legt nebel

sich auf die berg legt

schwer werden die felder

 

schwer, zieht abend übers

land, drückt weg die sonne

sich vom horizont, einsamkeit

durchfährt die glieder des

 

geliebten, einsamkeit, ermattet

wartend im kummer liegt er

ermattet, zieht abend übers land

ach nachtigall, ach nachtigall

Der November griff nach mir

Der November griff nach mir, zerrte

an meinem Mantel, der Wind pfiff

ums Ohr, Regen klatschte ins Gesicht,

 

drang ein ins Gewand, nach mir schaute

keine Sonne, nur der Schal gab Wärme

ich schlitterte über das farbige Laub, größere

 

Laubberge wurden umkurvt, schnellen

Schritts ins Café, deine Hände wärmten mich

kein Buch wurde gelesen in der Nacht

Fischstäbchen

Gib Butter bei den Fischen, im See

schwimmen keine Ölsardinen

Unglück bringt der Freitag nicht , die

Waschküche ist längst geschlossen

 

Wäschetrockner stehen in jeder

Eigentumswohnung, Ball spielen auf der

Wiese verboten, mit den Smartphones

 

sind die Kinder verräumt, Spinat

mit Spiegelei wäre eine Alternative

zu den Fischstäbchen