Kategorie: Lyrik

der gang durch die welt

überhaupt und sowieso war der gang

durch die welt ein verschlungener weg

der schnee deckte die wege zu, als ginge

verloren und doch ein ziel, schlendernd

ohne eile, geschwind im wind, fuß vor

fuß, hier und da eine rast. stärkung schadet

nicht bei dem langen weg, nicht jeder ist

für marathondistanzen geeignet, für die

anderen ist die überquerung der alpen ein

erfrischendes bad in der morgensonne. das

ganze schien ihm scheint mitunter verschwommen

vor augen, der nebel lässt sich nicht immer

vertreiben

Die Märchen lagen im Kühlschrank

Die Märchen lagen im Kühlschrank. Sicher

ist sicher. So bleibt das Blut länger frisch.

Abgehackte Hände sind ja keine Kleinigkeit.

 

Von Milchflaschen umgeben, eingezäumt

von Joghurt und Käse. Im Gefrierfach die

Alpträume eingesperrt. Zwischen den

 

Eiswürfeln und der Fertigpizza liegen sie gut

gebettet. Der Zauber ist dahin. Unter der

Bettdecke ist große Finsternis.

einen hering im schnabel #2

als ausfuhr der fischkutter, still

die see, die wellen faul, nur leise

plätscherten sie dahin, zart und leis

die mannschaft in der sonne

 

döste, gelangweilt auch der kapitän

doch kommt der dieb, doch kommt

herab vom himmel, eine möwe keck

und frech, schnappt sich, vor den

 

großen augen des kapitäns, einen

hering, einen hering, aus der

tonne, fliegt davon, fliegt,

 

mit flinkem flügelschlage

auf und davon, den

hering im schnabel

 

zu Heinrich Heine, Meeresstille

 

zieht abend übers land #2

zieht abend übers land

zieht abend, legt nebel

sich auf die berg legt

schwer werden die felder

 

schwer, zieht abend übers

land, drückt weg die sonne

sich vom horizont, einsamkeit

durchfährt die glieder des

 

geliebten, einsamkeit, ermattet

wartend im kummer liegt er

ermattet, zieht abend übers land

ach nachtigall, ach nachtigall

Der November griff nach mir

Der November griff nach mir, zerrte

an meinem Mantel, der Wind pfiff

ums Ohr, Regen klatschte ins Gesicht,

 

drang ein ins Gewand, nach mir schaute

keine Sonne, nur der Schal gab Wärme

ich schlitterte über das farbige Laub, größere

 

Laubberge wurden umkurvt, schnellen

Schritts ins Café, deine Hände wärmten mich

kein Buch wurde gelesen in der Nacht

Fischstäbchen

Gib Butter bei den Fischen, im See

schwimmen keine Ölsardinen

Unglück bringt der Freitag nicht , die

Waschküche ist längst geschlossen

 

Wäschetrockner stehen in jeder

Eigentumswohnung, Ball spielen auf der

Wiese verboten, mit den Smartphones

 

sind die Kinder verräumt, Spinat

mit Spiegelei wäre eine Alternative

zu den Fischstäbchen

 

der frühe vogel

im sommer fuhr er schon sehr früh

als die vögel zu singen anfingen

mit seinem rad die isar entlang.

gerne nahm er sein rad, so war er

 

schnell am gewünschten ort. zwei

körbe, vorne und hinten, dazu noch

alte satteltaschen. er musste schnell

sein, damit anderem ihm nicht zuvor

 

kamen. gerade am samstag- und

sonntagmorgen konnte er auf reichlich

beute hoffen, mit glück fand er sie schnell

konnte die weggeworfenen pfandflaschen

 

aus den mülleimern fischen, hier und

dort fand er sie auch verstreut in den

büschen und auf dem kiesbett verteilt.

schwer beladen traf er beim supermarkt ein