Kategorie: Allgemein

Hochfelln

Fast schien es dem Franz, als sei der Sommer noch einmal wiedergekehrt. Franz war mit Maria ins Chiemgau gefahren. Noch mal rauf auf die Berge. Musste sein. Das Wetter versprach herrlich zu werden. In der Früh drückte Nebel ins Tal. Doch schon bald war hier und da die Sonne zu erahnen. Noch feucht von der Nacht der Weg. Sie waren bis nach Ruhpolding gefahren. Rauf auf die Steinbergalm. Der Anstieg zum Hochfelln war nicht besonders schwierig. Gerade recht für einen entspannten Tag. Und oben gab es was zu essen. Das gefiel Maria. Das Hochfellnhaus hatte da genug im Angebot. Die Sonne wärmte prächtig. Später gingen sie über die Bründlingalm ins Tal. Der Zug war schon in der Früh voll gewesen. Auch in den Bergen ordentlich Betrieb. Franz und Maria waren davon nicht überrascht. Auf der Alm waren sie mit Freunden verabredet. Wollten noch den Abend mit ihnen verbringen. Die Sonne wärmte die Seele. Als käme der Sommer. Wo doch der Winter vor der Türe stand. Überall buntes Laub. Leuchtender Herbst.

Kartographie #14 Königsplatz

Gern ging Maria in Museen. Der Königsplatz war dafür ein guter Startplatz. Das Lenbachhaus gefiel ihr besonderes gut. Die Villa erinnerte sie an Florenz und die Bilder fand sie fantastisch. Aber das fand ja jeder. Den Blauen Reiter toll zu finden, war nichts besonderes. Zumindest nicht im 21. Jhdt. Die Nazis hatten den Blauen Reiter nicht gemocht. Vom Königsplatz aus konnte man auch gut die Pinakotheken erreichen, doch mehr als ein Museum konnte Maria am Tag nicht verarbeiten. Meist schaute sie eh nur wenige Bilder an. Dafür genauer. Länger. Den Beuys hatte sie sich aufgehoben. Sie mochte Beuys. Doch nicht am gleichen Tag mit dem Blauen Reiter. Marc, Kandinsky, Münter, Jawlensky. Das war schon fast zuviel. Da mussten noch andere warten. Der Beuys war für später. Erst die Farben geniessen. Die kräftigen Farben schwirrten durch ihren Kopf. Da war kein Platz für Badewannen.

Mathias #9

Als seine Frau gestorben war, hat er sich nur schwer um seinen Hof kümmern können. Der Tod war überraschend gekommen. In der früh war alles wie immer gewesen. Sie waren zusammen in den Stall gegangen. Hatten danach gefrühstückt. Später war er zum Heu machen rausgefahren mit dem Bulldog. Als er gegen Mittag heim kam, lag seine Frau tot in der Küche. Er hat noch den Arzt angerufen. Doch es war nichts mehr zu machen. Herzinfarkt. Damit hatte er nicht gerechnet. Wusste nicht ein noch aus. Die Nachbarn kamen und halfen ihm. Beim Vieh, beim Haushalt. Brauchte eine Weile, bis er sich wieder gefangen hatte. Nun besuchte er Theresa immer auf dem Friedhof. Redete mit ihr. Auch daheim redete er oft mit ihr. Wenn er unter Menschen war, sehnte er sich manchmal nach Ruhe. Um Zeit für seine Frau zu haben. Waren über 50 Jahre verheiratet gewesen. Da vergisst man nicht. Da heilt keine Zeit Wunden. Da lebt der Mathias weiter mit seiner Frau. Sein Schlafzimmer sieht aus wie früher. Doppelbett. Beide Betten bezogen. Das eine unberührt. Warum sollte er was ändern? Er war nicht allein. Wie hätte er das sein können nach so langer Zeit?

Fischstäbchen

Gib Butter bei den Fischen, im See

schwimmen keine Ölsardinen

Unglück bringt der Freitag nicht , die

Waschküche ist längst geschlossen

 

Wäschetrockner stehen in jeder

Eigentumswohnung, Ball spielen auf der

Wiese verboten, mit den Smartphones

 

sind die Kinder verräumt, Spinat

mit Spiegelei wäre eine Alternative

zu den Fischstäbchen

 

Mathias #8

Mais mochte Mathias nicht. Hatte ihn nie angebaut. Brauchte ihn auch nicht. Seine Kühe aßen Gras oder Heu, frisch von der Wiese oder im Winter getrocknet. Mehr brauchten seine Kühe nicht. Die Milch schmeckte wunderbar. Wenn er gute Tage hatte, machte er noch selber Butter. Manchmal half die Nachbarin. Jeder lobte seine Butter. Schmeckte anders als die aus dem Supermarkt. Die Nachbarn kauften ihm gern eine Butter ab. Aber viel hatte er nicht. War zuviel Arbeit für ihn. Doch für sich selber und den einen oder anderen langte es schon. Brot mit frischer Butter. Mehr brauchte er dann nicht zum Abendessen. Viele Bauern bauten ja den Mais an. Zum Glück war der meiste jetzt abgeerntet. Wurde auch Zeit. Der Blick reichte viel weiter über die Wiesn. Saß auf seiner Bank und schaute in die Ferne. Sah über die Wiesn und Felder. Auch als die Sonne längst untergegangen war.

der frühe vogel

im sommer fuhr er schon sehr früh

als die vögel zu singen anfingen

mit seinem rad die isar entlang.

gerne nahm er sein rad, so war er

 

schnell am gewünschten ort. zwei

körbe, vorne und hinten, dazu noch

alte satteltaschen. er musste schnell

sein, damit anderem ihm nicht zuvor

 

kamen. gerade am samstag- und

sonntagmorgen konnte er auf reichlich

beute hoffen, mit glück fand er sie schnell

konnte die weggeworfenen pfandflaschen

 

aus den mülleimern fischen, hier und

dort fand er sie auch verstreut in den

büschen und auf dem kiesbett verteilt.

schwer beladen traf er beim supermarkt ein

Mathias #7

Sein Hof hatte noch einen Misthaufen. Freute die Hühner. Mit der Schubkarre musste Mathias den Mist aus dem Stall rausfahren. Morgens, abends. Hatte zum Glück Hilfe. Kein moderner Laufstall. Im Sommer trieb er die Kühe auf die Weide. Freute die Kühe. Hatten dort ihre Ruhe. War nicht weit vom Hof, schräg gegenüber. Als Mathias noch mehr Kühe hatte, mussten sie oft weiter gehen, weil sonst das Futter nicht langte. Aber die fünf waren genügsam. Wie der Mathias. Der brauchte auch nicht mehr so viel. Seine Hühner waren auch mit dem zufrieden, was sie so fanden. Mathias Schuhe waren schon öfter beim Schuster. Auch sein Gewand wurde hier und da geflickt. Nur am Sonntag war er herausgeputzt. Sein Gesicht hatte oft Bartstoppeln. Am Sonntag sah man meist keine im Gesicht. Er ging gern in die Messe. War schon immer so gewesen. Doch einen Pfarrer gab es nicht immer. Das störte ihn. Den Pfarrer verstand er nicht immer. Das war dem Mathias nicht so schlimm. Irgendwie mochte er den neuen. Kam aus Indien. War immer freundlich.

Getöse

Franz mocht die Zeit vor der Wiesn und nach der Wiesn. Die Ruhe danach, als wäre die Stadt fast ausgestorben. Nur scheinbar. Es gab ja eh genug Münchner. Aber mit ein paar weniger Touristen konnte man sogar wieder durch die Innenstadt radeln. Nur das Wetter war schlechter geworden. Unbestimmter. Immer wieder Regenschauer. Eine neue Regierung gab es noch nicht, nur Vorgeplänkel. Würde noch ne Weile dauern. Franz war erstaunt über die wenigen Rücktritte. Da hätte der eine oder andere Politiker doch Verantwortung für die Verluste übernehmen können. Kurz war er auf der Buchmesse gewesen. Ein wenig sich blicken lassen. Gehörte dazu. Hier und dort Gespräche führen. Kollegen treffen, Verlagsleute treffen, Gesicht zeigen. War eigentlich nicht sein Ding. Lieber in Ruhe schreiben. Werbung sollten andere machen. War kein Bühnenstar. Kein Slamer. Heute war oft lautes Getöse. Franz war immer froh, wenn er von Frankfurt wieder wegfuhr. In München fühlte er sich wohler. Kannte die richtigen Orte. Ging hier hin und dort. Zeigte sich. Aber das war sein Leben. Kannte die Buchhandlung, jenen Verlag, diesen von der Zeitung oder vom Radio. Trank ein Bier oder zwei. Oder ging heim, wenn es nicht passte. Setzte sich auf sein Rad, ob Regen oder Sonnenschein und fuhr davon.

auf dem land #2

auf dem land gewinnt der

milchwagen gegen den bulldog

das kurvenrennen, die schneefangzäune

werden in position gebracht, am

 

werk waren wieder die optimisten

bildungswillige kinder werden vom

schulbus in die lernanstalt geliefert

milchkühe müssen schon lange

 

nicht mehr ins freie, auch die

schweine haben es gemütlich in

ihren zuchtanstalten, auf dem

wegrationalisierten misthaufen

 

kräht schon lang kein hahn mehr

hier und da läuft eine

maus übers feld in die arme

der lauernden katze