Kategorie: Allgemein

Hinter Warschau II

Die Sonne schien nur kurz hinter

Warschau. Die Ostsee treibt Eisschollen

vor sich her. In Sopot schreien die

Möwen, das Grand Hotel verschlafen

 

Kiefernwälder vor den Füßen von Danzig

Pommernland ist abgebrannt, Maikäfer

fliegen nicht mehr, der Schnee unter

den Füßen treibt die Kälte in die Glieder

 

auf der Westernplatte pfeift nur der Wind

um die Ohren, sandumspült, grauer Nebel

umspannt das Land, der Schnee längst Eis

geworden, der Mond wird nicht kommen

ausgespuckt vom nachtzug #2

ausgespuckt vom nachtzug am

helllichten morgen. die hitze

schlägt ins gesicht. roma termini

schnell in eine bar. cappuccino. corni

 

schwüle luft liegt in der straße. das

quartier für die nacht suchen. schreiende

männer wollen uns schon eins zeigen.

der aufzug nach oben ist abenteuerlich

 

ein käfig aus stahl. alter? ob im

museum noch ein platz für ihn frei ist?

geduscht, rein in die ewige stadt. hält

die rotunde noch vom pantheon?

Ging auch ohne Rum

Kalter Wintertag. In der Früh Frost. Eis da und dort auf der Straße. Rest von Schnee in den Ecken der großen Stadt. Schmutzige Haufen mit wenig Weiß. Franz mochte lieber mehr Schnee. In der Stadt nur selten anzutreffen. Plante schon die Fahrt in die Berge. Flucht vor Christkindlmärkte und Geschenkekauf. Die Radwege waren im Winter angenehm leer. Mit roten Wangen fuhr er durch die Stadt. Sein Atem bildete eine weiße Fahne. Die Sonne erstrahlte über der Stadt. Große Krokodile trafen sich am Abend. Spannende Politik ging anderes. Rum hatte Franz keinen mehr daheim. Auch nicht aus Jamaika. Der Christstollen war gebacken. Ging auch ohne Rum.

Hinter Warschau

Hinter Warschau das Ende der

Welt. Leer werden die Straßen.

See liegt an See. Im Winter gehen

die weißen Farben ineinander über.

 

Alleen führen durch die Landschaft.

Masuren vor den Füßen. Fischer werfen

ihre Netze aus. Reiher warten auf ihr Essen.

Preußen ist schon lange vorbei. Russland

 

nah und weit. Suleyken ist nirgends und

überall. Wodka hilft dir gegen die beissende

Kälte. Die Sonne verborgen im Nebeldunst.

Hirsche im Unterholz auf der Suche.

 

Die jungen Leute sind in die große Stadt

gezogen, leben abstinent. Das geschlachtete

Schwein färbt den Schnee rot. Aufgefangen

das Blut. Festtag.

Hermannplatz

In Neukölln wollte nicht jeder wohnen. War für Schmidt in Ordnung. Kreuzberg hatte ihn nie gereizt. Wäre nicht seine Welt. Er mochte das Rathaus mit seinem langen Turm. Auch den Hermannplatz. Nicht, dass da viel los gewesen wäre. Aber es war seine Heimat. War in Westberlin großgeworden. Hatte mit Ostberlin nichts am Hut gehabt. Damals nicht. Heute auch nicht. Der Karstadt am Hermannplatz war im 2. Weltkrieg beschossen worden. War damals ein imposantes Gebäude gewesen. Damals. Vor dem Krieg. Schon damals gab es die U-Bahn am Hermannplatz. Schmidt hatte schon immer im Karstadt gearbeitet. Keine große Nummer. Hatte nichts rechts gelernt. Hatte immer die Regale aufgefüllt. In der Früh. Am Abend. Auch am Samstag. Sein Geld war immer regelmässig gekommen. Hatte eine billige Wohnung. War zufrieden. Wenn er genug Geld hatte, ging er gern ins Tiefpunkt. Sportsbar. Fußball schauen. Bier trinken. Wetten. Wenn er kein Geld hatte, ging er auch hin. Anschreiben lassen. Manchmal gab es Ärger. Hier und da eine kleine Schlägerei. Schmidt hatte noch die meisten Zähne. Hielt sich meist raus aus dem Ärger. Nur wenn er großen Durst hatte, hatte er sich nicht mehr unter Kontrolle. Dann kam die Wut über ihm. Wollte dann am liebsten alles kurz und klein schlagen. Der Wirt schmiss ihn dann meist raus. Das eine oder andere Glas ging dabei schon mal kaputt. Manchmal blutete er dann aus der Nase. Eigentlich hätte er gern eine Freundin gehabt. Aber meist hielt die Beziehung nicht lange. Der Karstadt war damals tipmodern gewesen. Direkter U-Bahnanschluss. Heute war der Karstadt nichts besonderes mehr. Vom alten Glanz war nicht viel geblieben. Schmidt mochte ihn noch immer. War sein zuhause. Viel mehr hatte er nicht. In der Früh ging er immer hin. Regale auffüllen.

der gang durch die welt

überhaupt und sowieso war der gang

durch die welt ein verschlungener weg

der schnee deckte die wege zu, als ginge

verloren und doch ein ziel, schlendernd

ohne eile, geschwind im wind, fuß vor

fuß, hier und da eine rast. stärkung schadet

nicht bei dem langen weg, nicht jeder ist

für marathondistanzen geeignet, für die

anderen ist die überquerung der alpen ein

erfrischendes bad in der morgensonne. das

ganze schien ihm scheint mitunter verschwommen

vor augen, der nebel lässt sich nicht immer

vertreiben

Kartographie #18 Max-Weber-Platz

Frau Holles Fleiß war zu loben. Die Stadt hatte ein weißes Gewand bekommen. Flugzeuge stellen ihre Arbeit ein. Der Fußball flog in Orange über das nicht mehr grüne Feld. Am Sonntag war Maria in der Stadt geblieben. War zum Max-Weber-Platz gefahren.  Von dort konnte man schön nach Haidhausen reinlaufen. Über den Wiener Platz war sie ins Johanniscafe gegangen. Kuchen und Kaffee. Später runter zur Isar. Am Maximilianeum vorbei. Der Schnee stand der Stadt gut. Weniger Autos. Weniger Lärm. Die Stadt holte ein wenig Atem. An der Isar überholte sie dann Kinder mit ihrem Schlitten. Schneebälle flogen. Franz hatte für den Abend eine Suppe versprochen. Darauf freute sie sich.

die farben der blumen #2

am wegesrand der arbeiter ohrschutz

tragend, mäht, schneidet, senst das

wegesrandgras, auch die kornblumen

der mohn, die zwischendurch, am randes des

 

kornfeldes sich erheben und blau und orange

den wegesrand und das feld färben, der lärm ist

ohrbetäubend, ohne schutz kaum zu ertragen

wenn die arbeit getan, weitergezogen der arbeiter

 

das land kommt zur ruhe, bienen und hummel

suchen nahrung in der morgensonne die autos

schnell fahren vorbei am korn, den blauen und

 

orangefarbenen blumen, erst später kommt eine frau

nimmt platz auf der bank vor dem herrgottskreuz

und sieht in die ferne und freut sich

 

über die farben der blumen