Die Nackerten sind weniger geworden

Die Nackerten sind weniger geworden im Englischen Garten Trachtenmoden stehen im Schaufenster, die Nacht kommt   immer früher, Wahlplakate werden gerne verziert, die Isar kämpft mit den Surfern, die Herbstzeitlosen grüßen ganz zart in der Sonne   rasch laufen wir weiter, der Sommer ist nicht mehr lang, unsere Küsse wollen noch ausgetauscht werden vor der Novemberdunkelheit

noch halten wir die zeit fest

über den gleisen fegt der wind in kirschs garten keinen holunder gefunden, längst verlaufen im bücherlabyrinth, gegen die hitze der nacht kein entrinnen ermattet liegen wir am grünen see der schwarze himmel türmt sich auf, große regentropfen werden uns heimbegleiten, später, noch halten wir die zeit fest, bewegen uns nicht, nur der himmel wird finsterer, wenn der wind aufbraust, schwingen wir uns aufs rad. dann. noch halten wir die zeit fest

Gewitterregen

Die blaue Blume liegt gelb auf dem Küchentisch. Die Isar bringt viel Wasser aus den Bergen. Gewitterregen. Bäume liegen auf den Straßen. Müde Fußballfans fahren nach Hause. Franz war nicht im Stadion. Er ging nur selten. Mochte Fußball. Freute sich auf die neue Saison. Aber wollte einen anderen Meister sehen. Monotonie war nicht sein Ding. Mochte aber auch keine Abstiegsspiele. Zu viel Nerven kosteten die und zu wenig schönen Fußball als Gegenleistung. Das Gewitter hatte die Luft erfrischt. Ruhiger geworden die Stadt. Das Feuer der Grills erloschen. Rauchschwaden verzogen. Das Radeln durch die Stadt ging zügig. Mitunter spritzen die Pfützen…

Auf Hawaii bedeutet das Wort Kanaka Mensch

Die Zugfahrt gefiel nicht. Zu viele Betrunken. Fußballfans. Alle in rot. Saisonauftakt. Kein großer Jubel. Das Spiel längst vorbei. Abgehakt. Im Grunde begann die Langeweile wieder von vorne. Bayern gewinnt. Wird Meister. Keinen interessiert es. Keiner redet schlecht über den Gegner. Die Toilette wird ständig besucht. Bier ist noch reichlich vorhanden. Über andere Mannschaften wird gelästert. Dürfen absteigen. Überhaupt. Einer brüstet sich seiner regelmässigen Polizeikontakte. Nennt man wohl Vorstrafenregister. Hier und da eine Prügelei. Gewohnheitstäter. Gestörtes Rechtsbewusstsein. Kleinkriminalität. Das Wort Kanaken wird gern benutzt. Auf Hawaii bedeutet das Wort „Mensch“. Wird meist aber anders verstanden. Wurde natürlich als Beleidigung benutzt….

tief fliegen die schwalben

die kornelkirschen gehen in die röte, als wären sie deinen wangen entsprungen nach sehnsuchtsvollen warten brombeeren haben eine herbe süße   die zunge spürt deine salzige haut, die sonne am see längst untergegangen. liebe geht nicht geschwind, petrarca schon lang nicht mehr aus unserm   mund gekrochen, tief fliegen die schwalben lästig wedelt der hund nach der fliege kastanien fallen hier und da schon herab wir liegen engumschlungen

Nikolausfabriken

Die Nikolausfabriken hatten schon Hochkonjunktur. Auch die Produktion der Weihnachtsmänner lief bestens. Lebkuchen warteten schon auf die Auslage. Franz sah dies immer mit gemischten Gefühlen, wenn er nach dem Sommerurlaub heim kam. Aber er hatte ihn ja noch vor sich. Mit Zug und Rad nach Italien. Maria wollte ihre Eltern besuchen und drumherum wollten sie ein wenig über die Hügel der Toskana fahren. Für die Weinernte würde es noch arg früh sein. Die Eltern hatten nebenbei ein paar Rebstöcke. Aber sie würden ein wenig mithelfen. Als Student hatte Franz öfters in den Weinbergen gearbeitet. Lustiger Urlaub. Kost und Logis frei….

Sommerloch

Franz ging immer gern wählen, doch er verspürte diesmal noch wenig Lust. War noch Zeit, Spannung ging aber anders. Vielleicht war es ja das Sommerloch. Oder er wurde einfach älter. In der Früh hatte Franz ein paar Runden im Schyrenbad gedreht. Sein Heimstrecke.  Zwar fuhr er auch gern mal zum See, doch einfach den Berg runter und rein ins Wasser war wunderbar schnell. Danach harter er oft gute Ideen. Schrieb gleich los. Entweder noch im Bad, wenn es angenehm leer war. Oder daheim. Hauptsache eine gute Idee irrte durch den Kopf und wollte aufs Papier. Später musste er noch Geld…

abschiedslied auf den sommer

geschwind reifen die birnen, die meisten rosen längst verblüht, der mais steht noch das korn liegt in der kammer, die eichhörnchen sammeln fleissig ihr   winterfutter, verflogen die zeitungen der letzten tage, schon lange hat der wecker nicht mehr geklingelt, am see gegen die kinder runde um   runde verloren, zur insel geschwommen jahr für jahr, mit jedem flügelschlag fingen die barthaare an zu wachsen, das abschiedslied auf den sommer schon geübt

Am Meer das Salz #2

Am Meer das Salz von den Lippen geküsst, sacht plätscherte die Gischt an den Strand, wir liefen über den nassen Sand   durch´s Haar fuhr der Wind die Postkarten hatten wenig Text für Fotos keine Zeit, in der Früh schwarzen Kaffee, der Sommer   schien unendlich lang die Hitze der Nacht erfreute, Homer wurde nur selten herausgeholt, die Irrfahrten   mussten warten, der Gesang der Sirenen, so schön war er, die Insel war nicht weit

der billige rotwein

briefe nicht geschrieben und doch weggeschickt, die saiten der gitarre längst zerrissen, der billige rotwein langt auch für einen rausch, der küsse der geliebten vergessen, fahl nur der mond scheint in der trüben nacht die tränen nicht geweint