Rhizom #Deleuze&Guattari

 

Das Buch als Rhizom, das Schreiben

eine Ingwerknolle. Überall Giersch.

Spargel. Aber auch, zwischen Biegen

und Brechen, Bambus.

Schreiben als Mannigfaltigkeit.

Kleists anrennen.

Kafkas Ersticken an der Bürokratie.

Linien überwuchern die Bücher,

durchziehen das Werk.

Der Autor als Gärtner.

Beschäftigt mit Iris und

Kurkuma.

Umrankt von Efeu.

Wo ist das Ende?

Wo der Anfang?

Lenz im Gebirge.

Kerouac unterwegs.

Dazwischen, keine Mitte,

nirgends. Mayröckers

Arbeitszimmer, ein einziges

Rhizom.

Wasserglas

Wer reicht das Wasser? Das Licht wird abgedunkelt. Rosarotes Pufflicht. Nur der Autor erstrahlt. Muss ja ins Buch schauen können. Das Publikum ist deutlich älter als der Autor. Der Schriftsteller sitzt als frisches Fleisch in der Auslage, die aussieht wie eine Bühne. Aus dem Hintergrund ertönt psychedelische Musik. Das Nummerngirl vom Rundfunk verteilt Gummibärchen mit dem Logo des Senders. Leicht aufgeregt trinkt der Autor einen Schluck Wasser. Er wird gleich lesen müssen. Worte sollen aus seinem Mund kommen. Der Moderator vom Rundfunk hat einen tiefen Bass, seine Töne gehen direkt in die Bäuche der Zuhörer. Der Autor weiss genau, dass seine Stimme keine so angenehme Resonanzen erzeugt. Schließlich kennt er ja seine Stimme, hört sie oft genug. Sicher werden die Zuhörer von seiner Stimme enttäuscht sein. Der eine oder andere Zuhörer wird müde sein von der Arbeit. Die Woche war lang, gleich schläft bestimmt jemand ein. Auf ihn kommt der Moderator zu, redet auf ihn ein, stellt eine Frage, wie er denn auf das Thema, ob er die Gefahren des Kitsches vorab geahnt habe? Natürlich habe ich lange recherchiert, über ein halbes Jahr kein Wort am Roman geschrieben. Nur Leute interviewt. Material gesichtet. Die Mikroebene auf die Makroebene gelegt. Einen genauen Plan für die Makroebene ertüftelt, beginnt der Autor weit ausholend mit einer Antwort. Er ist auf der Hut. Blos keinen Fehler machen, er ist noch neu im Geschäft. Sein Herz ist laut. Die Geier warten schon.

Rückwärts fahren die Fahrräder

Im Frühling machen die Bäume Kopfstand, die Vögel fliegen im Kreis und singen Duette. Opernarien können da einpacken. Rückwärts fahren die Fahrräder. Die Kinder schießen den Ball nicht ins Tor. Auf den Parkbänken wird weitergeschlafen. Die Autofahrer haben ihre Hupen ausgebaut und warten, bis das alte Liebespaar über die Straße gelaufen ist. Ihren Winterschlaf verlängern die Schnecken. Nur die Bienen sammlen fleissig ihren Nektar.

Fastenzeit

Der Rittersporn treibt sein

grünes Gewand voran.

Mauern gehen und kommen.

Systeme wandeln. Die Hamster

 

laufen noch immer gern im Rad.

Im Schokoladenkusswettessen hab

ich schon wieder verloren. Der Lech

treibt das Winterholz vor sich her.

 

Die frische Luft hat eine süße

Beinote. Blüten treiben.

Rosen entfalten ihr erstes

Grün. In der Fastenzeit treiben seltsame

 

Hirngespinste. Die Jogger laufen in

grellen Gewänder auf Karfreitag zu.

Schwabing

Wenn Franz Zeit und Lust hatte, ging er gerne in ein Café. Zum Schauen. Treffen. Reden. Oder schreiben. Manchmal ging er ins Cafe Jasmin. Nicht zum Frühstücken. War ihm zu teuer. Aber ein Kaffee war drin. Oder zwei. Saß in dem gemütlichen Sessel, träumte ein wenig vom Großvater. Schrieb. Oder unterhielt sich mit seiner Begleitung. Auch mit Großvater war er dort gewesen. Kuchen gegessen. Aber der Kuchen war heute nichts besonders mehr. Alles war auf cool gemacht. Teuer geworden. Den Kuchen hatten sie wohl eher aus Nostalgie. Draußen saß Franz nicht so gern. War ihm zu laut. Aber am Vormittag war es oft ruhig, wenig los. Da konnte er gut schreiben. Am Fenster hatte man eine gute Aussicht. Meist viel ihm was ein. Dann trank er einen zweiten Kaffee. Früher hatte es noch Kännchen geben. Als er mit Großvater hinging. Gab es hier nicht mehr. Wollte Franz aber auch nicht trinken. Danach radelte er durch den Englischen Garten heim. Isar entlang. Obamacare lebte immer noch. Gefiel Franz.

Postkarten

Postkarten habe ich schon lange nicht

mehr verschickt, Vermeers Ohring

längst verloren, kein Fisch springt

 

über den Fluss, in die Höhe schießen

die Narzissen, die Sonne erwärmt die

Herzen, begonnen die Aprikosenblüte.

 

Wird es viele Früchte geben? Samsas Leben

erscheint auch aus heutiger Sicht

viel zu kurz. Die Schreibmaschine schreibt

 

immer noch nicht von allein.

Manche Buchstaben kämpfen um Freiheit.

Affekte fliegen davon. Spinozas Ethik

 

auf der Suche nach dem Künstler. Im Garten

springt mir kein Frosch entgegen. Bienen

summen hier und da.

Am Kaugummiautomat

Sensationen finden am Kaugummiautomaten statt. Für ein wenig Kleingeld die große Welt. Zumindest einen vollen Mund. Zahnärzte wollen ja auch leben. Hier und da fällt auch das Paradies heraus. Kinderglück. Mitunter verzweifelt davor gestanden. Den Automaten gehauen. Getreten. Manchmal hilft rohe Gewalt vielleicht doch weiter. Wenn der Groschen nicht fiel. Centstücke sind da auch nicht besser. Auf dem Weg zum Bäcker schnell noch ein Kaugummi gezogen. Lachend weiter gehüpft. Noch immer nicht digitalisiert. Geht ohne Pin-Code. Kein Touchscreen. Mitunter sieht man Erwachsene auf der Suche nach dem verlorenen Glück.

Zickzack #Deleuze&Guattari

Fern der Geometrie verlaufen

die Linien im Zickzack. Die

Fluchtlinien verfallen in Langsamkeit,

die Mongolen reiten über die Steppe.

Jackson Pollok durchzieht die

Leinwand ohne Form, Wirbelsturm

gleich, kein Anfang, kein Ende. Affekte

besiegen den Kopf.

 

Der Autor verliert seinen Plan.

Down under II

Am anderen Ende der Welt,

die Straßen vollgekotzt, Zombies

fliegen durch den Kopf, nein,

 

hier nimmt keiner Drogen, hier

nicht, der Bully röchelt vor sich

hin, von Billabong zu Billabong

 

gehüpft, zwischen den Schafen

geschlafen, den Haifischen die Stirn

geboten, verloren im Outback, schon

 

lang keinen Menschen mehr hier

gesehen, der Staub auf der Straße

fliegt mir um die Ohren, hin und wieder

 

zieht ein Kamel am Roadhouse

vorbei, der Eukalyptus könnte auch

mal wieder blühen,  ewig

 

habe ich keinen Walzer mehr

getanzt am anderen Ende

der Welt.