Opole: Urszula

Fast ihr ganzes Leben hatte sie in Opole verbracht. Die Oder hatte sie immer begleitet. Sie liebte den Fluss. Saß oft stundenlang am Ufer. Nach dem Krieg war die Stadt menschenleer gewesen. Doch schnell hatte sich die Stadt wieder gefüllt. Früher lebten viele Deutsche hier. Nun sind es fast nur Polen. Urszulas Familie war nach dem Krieg gekommen. Sie war da ein kleines Kind gewesen. Heute wohnt sie direkt an einem Nebenarm der Oder. Boote fahren vor ihrem Wohnzimmer entlang. Im Sommer fängt sie die Mücken. Früher hatte es hier Wassermühlen gegeben. Gerne geht sie am Wasser ein paar Schritte. Setzt sich auf eine Bank, liest. Jeden Tag fährt sie in die Zementfabrik. Arbeitet dort im Büro. Wenn sie am Wochenende Zeit hat, fährt sie nach Annaberg. Dort gibt es ein Kloster. Ihre Kinder sind in die Hauptstadt gezogen. Bessere Arbeit. Urszula würde nicht weggehen wollen. Sie hatte hier ihre Heimat. Nur als die Oder Hochwasser hatte, hatte sie kurz überlegt. Das ganze Haus war voll Wasser gewesen. Manchmal besucht sie ihre Kinder. Noch ist sie ja jung.

1 Kommentar zu „Opole: Urszula“

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