Schemtschug: Jurij

Der Weg ist weit. Ohne Auto fast kein wegkommen. Jurij hat noch keinen Führerschein. Auch kein Mofa. Um seine Freunde zu erreichen, muss er mit dem Bus fahren. Der Bus fuhr nicht oft nach Schemtschug. Wenn er einen verpasst hatte, musste manchmal stundenlang warten. Im Winter konnte das Warten besonders lang werden. Doch die Kälte war er gewöhnt. Manchmal nahm ihn jemand mit, der vorbeifuhr. Doch nicht immer kam jemand. Er mochte das Fahren mit dem Bus. Die Haltestelle hatte bunte Farben. Oft keine andere Seele zu sehen. Sein Dorf war kein Dorf. Nur ein paar Häuser. Ein paar Menschen. Ein paar Schweine. Ein paar Kühe. Kartoffel kamen in die Erde. Getreide. Tomaten wuchsen vor dem Haus. Ein paar Apfelbäume. Jeder sorgte für sich. Keiner musste verhungern. Hier war niemand reich. Die Reichen lebten woanders. In der Stadt. Vielleicht würde er irgendwann in die Stadt ziehen. Irgendwann. Doch dann müsste er seine Familie verlassen. Und seine Freunde. Soweit war Irkutsk ja auch nicht weg. Drei Stunden würde man mit dem Auto brauchen. Im Sommer.

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