Tante Jewdokija

Tante Jewdokija lebte nicht weit vom Ural. Doch westlich. Am Rand von Europa. Sie hatte nicht viel. Aber einen großen Garten mit alten Apfelbäumen. Von ihrem Mann bekam sie eine kleine Rente. Ihr Haus hatte. Ein Dach. Wasser hatte es nicht. Sie musste immer zum Brunnen gehen. Dies viel ihr nicht immer leicht. Die Toilette war hinter dem Haus. Sie hatte, was sie brauchte. Musste nicht klagen. Warum auch. Der Sommer war kurz gewesen. Doch Äpfel hatte es genug gegeben. Sie musste ja was haben zum Verkaufen. Ein paar Hühner hatte sie. Und Apfelbäume. Sie pflückte die Äpfel noch selber. Füllte sie in Eimer. Weiße Plastikeimer. Wenn der Herbst zu Ende ging, verkaufte sie die Äpfel an der Straße. Unweit von Revda wohnte sie. Direkt vor dem Ural. Die Autos fuhren meist nach Jekatarinburg. Sie ist selber fast nie in der Stadt. Einmal war sie dort in der Kirche gewesen. Kathedrale auf dem Blut. Dort wird dem letzten Zaren gedacht. Wo heute die Kirche steht, ist er 1918 ermordet worden. Sie ist kein Anhänger vom Zaren. Aber von Putin auch nicht. An irgendetwas muss sie doch glauben. Tante Jewdokija mag ihr Apfelbäume. Verkauft die Äpfel pro Eimer. Viel verdient sie damit nicht. Über Putin sagt sie kein schlechtes Wort. Sie will keinen Ärger. Ob es unter dem Zaren besser wäre? Sie weiss es nicht. Zum Leben hat sie genug. Hungern muss sie nicht. Das Wasser tragen fällt ihr manchmal schwer. Schnee fällt schon bei Zeiten. Es ist kalt geworden.

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