Mathias #4

Seine Hühner hatte Mathias schon lange nicht mehr gezählt. War ihm nicht mehr so wichtig, manchmal kamen Nachbarskinder und sammelten dann die Eier ein. Mathias nah es da nicht so genau. Waren es zehn Hühner oder zwölf? Die Kinder fragten ihn, sie zählten Hühner und Eier. Überall liefen sie herum. Gingen zu den Kühen und über die Wiese. Immer wieder auch über die Straße. War nur eine kleine Straße. Wenig Verkehr. Manchmal hupte ein Autofahrer, der es eilig hatte. Mathias hatte es nicht eilig. Seine Schritte waren langsam geworden. Sein Rücken ein wenig krumm von der schweren Arbeit. Noch immer nahm er die Mistgabel in die Hand. An manchen Tagen, wenn es nicht anders ging, ließ er die Mistgabel stehen. Das waren nicht seine Tage. Fühlte sich dann unnütz. Er könnte auch ins Altersheim gehen. Dort bräuchte er nicht zu arbeiten. Dort könnte er dann auf den Tod warten. Sein Hof war seine Heimat. Er hatte ihn nie länger verlassen. Woanders hielt er es nicht aus. Einen alten Baum verpflanzt man nicht.  Wenn die Sonne schien, warfen seine Hühner lange Schatten in der Abendsonne. Dann saß er noch lange auf der Bank vor seinem Haus. Trank ein Bier. Nachbarn kamen und setzten sich dazu. Manchmal brachten sie was zum Essen mit. Mathias redete nicht viel. Zufrieden lächelte er seine Besucher an.

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