Gebackene Taube

Ostern ohne Familie war für Maria nicht möglich. Mit dem Zug war sie über den Brenner gefahren. Florenz war schnell erreicht. Manchmal fuhr sie auch über Nacht, doch diesmal war sie in aller Früh losgefahren. Karfreitag wollte sie mit ihrer Familie nach Assisi fahren. Dort fand immer eine Prozession statt. Ostersonntag würden alle zum Frühstück kommen. Jeder bekam ein riesiges Schokoladenosterei, kitschig verpackt in einem Haufen Folie. Zu den vielen Verwandten kommen auch immer zahlreiche Freunde. Mittags zum Pranzo di Pasqua, gab es natürlich Lamm. Immer schon. Kochte noch immer die Großmutter. Alle wollen feiern. Draußen. Den Frühling geniessen. Am Ostermontag würden sie einen Ausflug machen. Das erste Picknick im Freien. Zu Ostern durfte die gebackene Taube nicht fehlen. Sie selber zu machen war in Marias Familie Ehrensache. Das Rezept stammt von der Urgroßmutter. Aber die hatte es vielleicht auch von ihrer Urgroßmutter. So genau wusste das keiner. Zumindest brauchte man viel Zeit. Die Hefe für die Ostertaube will langsam gehen. Überhaupt brauchte das Essen Zeit. Nicht nur das Vorbereiten. Aber Maria wollte es so. Ostern drehte sich alles um Kirche und Essen. Manchmal schien es ihr, es drehte sich mehr ums Essen.

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