Wasserglas

Wer reicht das Wasser? Das Licht wird abgedunkelt. Rosarotes Pufflicht. Nur der Autor erstrahlt. Muss ja ins Buch schauen können. Das Publikum ist deutlich älter als der Autor. Der Schriftsteller sitzt als frisches Fleisch in der Auslage, die aussieht wie eine Bühne. Aus dem Hintergrund ertönt psychedelische Musik. Das Nummerngirl vom Rundfunk verteilt Gummibärchen mit dem Logo des Senders. Leicht aufgeregt trinkt der Autor einen Schluck Wasser. Er wird gleich lesen müssen. Worte sollen aus seinem Mund kommen. Der Moderator vom Rundfunk hat einen tiefen Bass, seine Töne gehen direkt in die Bäuche der Zuhörer. Der Autor weiss genau, dass seine Stimme keine so angenehme Resonanzen erzeugt. Schließlich kennt er ja seine Stimme, hört sie oft genug. Sicher werden die Zuhörer von seiner Stimme enttäuscht sein. Der eine oder andere Zuhörer wird müde sein von der Arbeit. Die Woche war lang, gleich schläft bestimmt jemand ein. Auf ihn kommt der Moderator zu, redet auf ihn ein, stellt eine Frage, wie er denn auf das Thema, ob er die Gefahren des Kitsches vorab geahnt habe? Natürlich habe ich lange recherchiert, über ein halbes Jahr kein Wort am Roman geschrieben. Nur Leute interviewt. Material gesichtet. Die Mikroebene auf die Makroebene gelegt. Einen genauen Plan für die Makroebene ertüftelt, beginnt der Autor weit ausholend mit einer Antwort. Er ist auf der Hut. Blos keinen Fehler machen, er ist noch neu im Geschäft. Sein Herz ist laut. Die Geier warten schon.

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