Der Wind im Gesicht

09.03.2017

Wenn Franz in Rom war, ging er gern ins Pantheon. Das Licht gefiel ihm. In der Renaissance wurden dort Maler begraben. Raffael. Auch seine Verlobte.Die Rotunde hatte für die Antike gewaltige Ausmasse. Nicht weit entfernt war die Engelsburg. Gern schlenderte Franz auch dorthin. Aber nicht, weil sie besonders schön war. Er fand sie eher hässlich. Er mochte ihren Namen, Castel Sant’Angelo, auch ihre Geschichte. Mal Mausoleum gewesen. Grab führ viele Kaiser. Dann Fluchtburg. Päpste verschanzten sich hier bei Gefahr. Der Vatikan ist ja um die Ecke. Diente auch als Gefängnis. Zur Zeit der unheiligen Inquisition. Aber Franz liebte mehr das Leben in der Stadt denn die Sehenswürdigkeiten. Lief abseits der ausgetretenen Pfade, streifte durch Parkanlagen und durch alte Kirchen, ging in eine Bar für einen Kaffee, setzte sich in den Schatten eines Hauses und las und schrieb. Fuhr ein paar Runden auf dem Roller, mochte den Wind im Gesicht, freute sich auf das Gewühle vor der Ampel, die kindische Freude der Römer am Gestank. Manchmal lies er sich treiben, fuhr raus aus die Stadt, fern des Gewimmels. Genoss die plötzliche Ruhe. Im Sommer war er schon lange nicht mehr in Rom gewesen. Zu viele Touristen. Zu viele Verkäufer. Zu viele Bettler. Zu viel Fastfood. Am Abend wollte er gut Essen gehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s