Irgendwas mit Curry

1.2.2017

Den Geschmack hatte er auf der Zunge. Franz ging über den Markt und suchte sich passendes zusammen. Irgendwas mit Curry wollte er machen. Vielleicht zuvor eine Suppe. Für die Seele. Im Winter waren Suppen genau das richtige, fand Franz. Großvater hatte auch gerne Suppe gegessen. Während des Krieges waren diese aber mager. Manchmal nur Kartoffelschalen. Musste reichen. Vom Krieg gegen Frankreich hat Großvater gern erzählt. Paris hatte ihm gut gefallen. Vom Krieg gegen Russland erzählte er weniger. Abgemagert war Großvater aus dem Krieg heimgekehrt. Zwei Brüder waren gefallen. Die Schwestern waren evakuiert gewesen, auch seine Frau. Am Ende war das braune München nur noch eine Steinwüste.Von der Evakuierung wurde Franz gern was erzählt. Von den Juden aus der Nachbarschaft hörte er nichts. Für den Abend hatte Franz ein paar Freunde eingeladen, er musste nicht in die Bar, was kochen, reden. Gern kochte er auf dem alten Gasherd. Funktionierte noch einwandfrei. Vier Flammen. Langte für ein kleines Menü. Manchmal las er dann ein paar Texte vor. Nach dem Essen. Nach dem Kaffee. Wein hatte er noch genug daheim. Mit dem Messer schnitt er das Gemüse vor. Das Huhn für die Suppe kochte schon eine Weile. Hühnersuppe erinnerte ihn immer an seine Kindheit. Fast nur an Festtagen hatte es Hühnersuppe gegeben. Gegen die Fensterscheiben schlugen Wassertropfen. Hier und da lagen noch schmutzige Schneereste auf der Straße. Franz wusch den Reis. Gründlich. Stäbchen würde es nicht geben. War ihm zu kompliziert.

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