Sein Paradies verloren

Der Mond nicht müde wird, sich immer noch um die Erde dreht. Schon so alt und doch leuchtest in dunkler Nacht, als er heim ging. Er mochte die Sonntagabende nicht. Die Kneipen waren leer, als fürchteten die Leute den nächsten Morgen zu verschlafen. Tristesse gähnte ihn überall an. Die Freunde hatten auch keine Zeit herumzustreifen. Der Schnee schwoll an auf den Straßen, die Passanten watschelten dahin, auch die Autos kamen nicht auf Touren. Er sehnte sich nach zartem Moos und Frühlingsgezwitscher. Seine Hände froren in den Manteltaschen. Krimis im Fernsehen konnte er nicht ausstehen. Lieber noch ne Runde drehen. Im Berghain war er schon lang nicht mehr gewesen. Vielleicht sollte er ja noch zum Ostbahnhof fahren, die Himmelsposaunen wurden immer leiser. Die Straßenbäume waren weiß vor Kälte. Jetzt schnell noch eine Falaffel essen oder ein Gyros. Noch ein paar Mails checken. Er wollte auch nicht zu spät ins Büro kommen. Seinem Chef wars egal. Doch die Kollegin schaute immer so fragend. Die Wolken waren tief und dunkel. Vielleicht sollte er ja wie Proust leben. Der hatte auch sein Paradies verloren. Der Mond war schon längst von den Wolken verborgen.

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