Linoleum

Nach kurzer Nacht, unruhig schlafend, an seine Großmutter gedacht, wusste er, wie er seine Küche endlich renovieren wollte. Der Fußboden musste aus Linoleum sein. Wie damals. In seiner Kindheit. Einfaches Linoleum. Kein Holz. Keine Fliesen. Kein Teppich. Er kannte einen Laden in Kreuzberg. Nahm Maß. Die Küche war nicht besonders groß. Langte für einen kleinen Tisch. Ein paar Stühle. Schrank. Herd. Einen Kühlschrank. Er mochte seine Küche. War gerne dort. Lud Freunde ein. Kochte hier und da etwas. Wenn die Zeit reichte. Er hasste Fertigpizza. Dann lieber Currywurst. Nahm Rucksack und seinen Zettel, schwang sich aufs Rad und fuhr los. Die Straße musste er suchen, war nicht mehr so oft im Viertel. Fand nach kurzem Hin und Her das Geschäft. Leer das Schaufenster. Er hatte extra im Telefonbuch nachgeschaut. Aber nicht angerufen. Warum auch. Aufgelöst. Zu vermieten stand auf dem roten Schild. Einsam und trostlos starrte er in die leere Tiefe. Ein paar alte Fahrräder lehnten gegen das Schaufenster. Verschmiert die schwere Holztüre. Kreuzberglook. Er hasste ihn. War zu alt dafür. Nie Punk gewesen. Sauberes Linoleum wollte er. Nur ein einfaches. Es roch so gut. Nach Kindheit.

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