Die Kittelschürze

Die Kittelschürze ist akkurat gebügelt, ihre müden Hände streichen langsam über den Küchentisch, manchmal geht sie über den Hof und schaut verloren in den Stall,   der Mann schon vor Jahren verstorben, der Jungbauer hat den Hof längst aufgegeben, hat ein wenig Land verkauft der Bulldog steht geputzt im Schuppen, die   Knie wollen nicht mehr so vom vielen Arbeiten, manchmal kocht sie sich noch was, wenn Besuch kommt, macht sie Kaffee, früher gab es bei ihr immer einen   Kuchen, meist erzählt sie alten Geschichten das kann sie noch ganz gut, an schlechten Tagen verwechselt sie den Kühlschrank mit dem Ofen und wundert sich  …

das graue Haar

Gelangweilt den James Bond an die Wand geknallt, die Zaubersprüche haben schon lange nicht mehr geholfen, verdeckt vom Morgennebel liegen die Hügel, Katzen gehen noch schnell nach Hause, die Spiegel an der Wand sind längst matt, Spinnweben zieren das Fenster, im verwachsenen Garten küssen sich die Amseln, längst auf der Schlachtbank gelandet sind die Kühe, das graue Haar gehört geschnitten sagt die Enkelin, die nach dem Rechten schaut

Schönheitskönigin

Maria liebte die bayrische Küche. Italienisch gab es ja daheim. Natürlich kochte sie gerne italienisch. Aber wenn sie ausging, war sie froh, wenn es auch was anderes gab. Dafür lebte sie ja auch im Ausland, studierte in München. Und wenn sie auf die Wiesn ging, durfte es schon was Gutes geben. Als die Freundinnen da waren, war sie schon in der Schönheitskönigin gewesen, aber mit dem Franz wollte sie auch hin. Zum Glück hatte der Franz nix dagegen. Brennsuppe und Kutteln wollte sie nicht essen, auch das Hechtenkraut verschmähte sie, Hecht war nicht ihr Ding auch wenn angeblich schon ein…

Über die Alternativlosigkeit

Manche lieben sonderbare Wörter. Politiker oder auch Trainer. Franz fand wenig Gefallen an dem Wort alternativlos. Sein Geist ist eher undemokratisch. Für Franz gab es immer Alternativen. Neuere Wörter werden schnell Unwörter. Erst recht, wenn sie bei Politkern beliebt sind. Fußballtrainer sind da aber für Franz auch nicht besser. Politiker gestehen ungerne Fehler sein, Trainer erst recht. Nur der Erfolg zählt. Wenn ein Trainer die Rotation als alternativlos bezeichnet, ist manchmal, schneller als der Trainer denkt, auch eher von der Rotation erfasst. So wäre Franz nur wenig erstaunt, wenn der Leipziger Trainer an seiner Alternativlosigkeit scheitern würde. Das Eingestehen von…

Still wird die Welt #2

Der Mond längst aufgestanden, siehst du ihn dort? Die Sterne leuchten am Firmament. Klar und hell. Noch sitzen Menschen am Cafetisch, kämpfen gegen die Einsamkeit der Nacht. Gegangen sind schon viele. Arles hell und freundlich bei Nacht. Der Sternenhimmel zieht in die Ferne, sehnsuchtsvolles Schauen, Einsamkeit der Nacht. Still wird die Welt, still.   Café am Abend Vincent van Gogh, Caféterrasse am Abend, 1888

Kartographie #12 Münchner Freiheit

Der Name gefiel Maria. Und sie war neugierig auf die U-Bahn-Station, als sie neu in München war. Klang so entspannt. Ein grasgrünes Dach war über den Bussen gespannt. Schleimiges Gift. Früher soll ja Schwabing was besonders gewesen sein. Aber Maria hatte da noch nicht so viel gefunden. Müssen vergangen sein, die großen Zeiten. Das Denkmal für den Monaco Franze fand sie angenehm. Sie hatte seinen Humor gemocht. Hatte sich schon einmal dazu gesetzt auf einen Kaffee. Doch er hatte mehr geschwiegen. Die Erlöserkirche hatte es Maria angetan. Ihr gefiel der eigene Stil. Viele Jugendstilelemente. Viel Geborgenheit. Sie war zwar katholisch,…

Eisblumen abgeschüttelt

Die Eisblumen abgeschüttelt im Spätsommer, Wolken jagen Wolken am Abendhimmel, noch wartet der Mais auf seinen Drescher, längst eingefahren   das Korn, gäbe es hier Bären, würden sie ihren Wintervorrat sich anfressen, bei der Eisdiele sind die Warteschlagen   längst abgebaut, doch die Küsse mit Zitroneneis jagen dir immer noch einen Schauer über den Rücken

Nur die Radwege zu schmal

Auch während der Wiesn-Zeit kann München wie immer sein. Hier und da eine Tracht mehr, aber sonst? Franz war in Schwabing gewesen, Café Jasmin. Alles wie immer. Kaffee getrunken. Geratscht. Ein wenig sich im Sessel gefläzt. Auf die Straße geschaut. Notizen gemacht. Über einen Text nachgedacht. Korrektur gelesen. Die Augustenstraße war wie immer. Eng. Viele Autos. Hier und da eine Baustelle. Kinderwagen wurden in den Drogeriemarkt geschoben. Mütter vertrieben ihre Zeit. Die Mittagsgerichte waren hier und da vegan. Die SUVs kamen gut voran. Nur die Radwege zu schmal. Touristen nicht zu sehen. Später noch ein paar Buchhandlungen abgeklappert. In der Stabi…

Breitscheidplatz

Der Putz fiel ab von den Häuserwänden. In Charlottenburg war nicht immer alles neu. Nicht jeder wohnte hier im Schloss. Karl schritt gerne hier durch. Friedrich war schon lange nicht mehr da. Längst ist hier Chinatown entstanden. Das Bikini-Haus fand er immer schon amüsant. Zumindest den Namen. Hatte nicht jeder. Die Wahlplakate hingen überall. Oft noch ganz neu. Wurden sie beschädigt, kamen schnell neu. Charlottenburg war Preußen. Die neuen Türme am Breitscheidplatz mochte Karl nicht. Ein Hotelzimmer brauchte er nicht, ein Büro hier auch nicht. Dann lieber Putz von den Wänden. Zwischen den Wahlplakaten fühlte er sich oft verloren. Wie…

sommergewitter

das gewitter war über die hügel gezogen und wollte nicht weichen. lauter als motorsägen fuhr der wind durchs haus fenster knallten. aus dem rinnsal wurde ein fluss. der donner schickte alle tiere in die wüste als der blitz einschlug, kroch die angst bis in die nasenspitze taghell erschien der himmel. später kehrte ruhe ein, als alle in der küche saßen. als wir am morgen die fenster öffneten, strömte uns kalte luft entgegen