auf der faulen Haut

Der Vorhang liegt hintan, zerfledertes

Stroh auf der Chaussee, auf dem Sommersee

schwimmt die Milch der frühen Tage, uns

grüßt ein Fisch aus der Tiefe, der Brombeeren

Stacheln bohren sich in unsere Haut, ihre

schwarzes Blut färbt uns lila, in unseren Ohren

liegt der Gesang der Möwen, später liegen wir auf

der faulen Haut, Rücken an Rücken

 

Schwalben fliegen tief

der Mais verleitet nicht zum Schweifen über

die Felder, nur vereinzelt eine Blume, das Korn

niedergelegt von dem schwarzen Gewitter.

Mohn blüht tapfer dazwischen, im Schatten

des Holunders reifen schwarze Beeren heran

Jungvögel drehen ihre ersten Runden, nachts

pfiffen wir zwischen den Fichten im Wald, die

Hände suchten sich, Wölfe waren nicht zu hören

Großmutter wartete daheim, die Hühner waren

längst im Stall. Laurentia wieder fort und nicht hier.

Schwalben fliegen tief.

Der große Knall

Franz freut sich immer auf den Sommer. er hat etwas sorgloses. Man verträumt gern den Tag unter Kastanien, kühlt sein Gemüt im See und geht die Dinge entspannter an, macht eine Siesta und ist zufrieden. Der Fußball macht Ferien, die Politik auch. Vielleicht wollte Seehofer vor dem großen Sommerloch noch ein wenig Spaß haben. Den besten Wahlkampf aller Zeiten führen, obwohl er selber gar nicht zur Wahl steht. Strauß endlich in den Schatten stellen und es zum großen Knall kommen lassen. Gewitter gab es ja eh genug. Da konnte er üben. Den Blitz gewaltig einschlagen lassen und dann schauen, was noch da wäre. Noch schnell, kurz vor der eigenen Rente, irgendwann würde sie kommen, den großen Wurf wagen, der ihm den Platz in den Geschichtsbüchern sichern würde. Zumindest in den bayrischen. Eigentlich hatte Franz gehofft, das die Groko einige Zeit einfach arbeiten würde. Dafür waren die Politiker ja gewählt worden. Nicht für Kraftmeierei und Fingerhakeln. Franz war für die CSU eh ein hoffnungsloser Fall. Wegen ihm musste sie so ein Theater nicht machen. Er würde sie so nicht wählen und anders auch nicht. Doch die Furcht vor den AfD-Wählern saß dem Söder und dem Seehofer im Nacken. Franz sah immer das Zucken. Der Frühsommer hatte eine Pause eingelegt. Es war kühler geworden. Kein Fön drücke von den Bergen in die Stadt.

Die Märchen lagen im Kühlschrank #2

Die Märchen lagen im Kühlschrank. Sicher

ist sicher. So bleibt das Blut länger frisch.

Abgehackte Hände sind ja keine Kleinigkeit.

 

Von Milchflaschen umgeben, eingezäumt

von Joghurt und Käse. Im Gefrierfach die

Alpträume eingesperrt. Zwischen den

 

Eiswürfeln und der Fertigpizza liegen sie gut

gebettet. Der Zauber dahin. Unter der

Bettdecke große Finsternis.

umkreisen die blumenwiese #2

die gieskanne sammelt spinnennetze, getrocknete

Blumensträuße hängen in der ecke, wuchert der

rosenstrauch, alten hände schneiden nur das nötigste

die obstbäume sind knöchrig, schmetterlinge

 

umkreisen die blumenwiese, das gesicht des gärtners

zeigt gegerbte haut, gerne nimmt er die beeren direkt

in den mund bevor die vögel sie fressen, die süßen

Kirschen, die oberen, lässt er hängen, auf die leiter

 

steigt er nur noch selten, manchmal kommen kinder

und kraxeln in den bäumen herum, von der verwitterten

 

bank aus sieht er ihnen zu.

manchmal lächelt er

Abgestürzte Abendsonne #2

Abgestürzte Abendsonne. Landstraße an Landstraße.

Bäume umzäunt. Die Äcker verweist, nur vereinzelt

Spuren von Reh und Wildschwein. Der Jäger hinterlässt

tiefe Abdrücke auf dem Feldweg. Im Beinhaus liegt

einer. Aneinandergereiht die Hasen im Schnee. Rot ihr

Bett. An der schiefen Kiefer ein letztes Halali. Der Himmel

schwarz wie die Hölle. Funken sprühen aus dem Ofen.

Kottbusser Tor

Auf Stelzen ratterte die U-Bahn vorbei, ihr Gelb

erinnerte an alte Postbusse, die die Berge

hinauffuhren, keinen Gipfel gesehen das

Kottbusser Tor, die Bank bot wenig Komfort,

Bein an Bein, Aug an Aug, die Nächte waren

schon lange nicht mehr lang und doch lag eine

große Müdigkeit über die Fahrgäste. Bis zur

Warschauer Straße ist es nicht mehr weit. In

der Lausitz lange nicht mehr gewesen, müde

geworden der Stier.

Straßenköter

Streunende Straßenköter an jeder Ecke. Der

tiefergelegte BMW ist frisch aufpoliert, sein

Alter nur zu erahnen, der Asphalt hatte hier

und da Risse, Löwenzahn hat sich eingenistet.

Am Kiosk gibt es kühles Bier und Zigaretten.

Bemalungen auf der Haut sind hier Pflicht.

Zeit ist kein Faktor an diesem Platz. An den

Stehtischen ist kein Platz frei für Fremde. Das

Futter ist einfach und reichlich. Mehr braucht es

nicht zum Glück.

Später heulen die Motoren auf.

Später.