Postkarten aus der Ferne #2


die milchfarbene Decke lag zart über den Hügeln

nach dem Melken treibt die Bäuerin die Kühe aus dem

Stall, das Gesicht eine Landschaft, das dunkelblaue Kopftuch

 hält die Haare in Zaum, beim Gehen hilft der Stecken, krumm

von der Arbeit der Rücken, woanders war sie nie, ihre Enkel

schicken manchmal Postkarten von der Ferne, später wird

 die Sonne über die Hügel steigen, sie freut sich schon auf den

warmen Kaffee zum Frühstück, die Stiefel stellt sie vor die

Türe zum Trocknen, der Sohn wollte den Hof nicht übernehmen

Amaryllis

nackte Apfelbäume bilden ein Spalier, der Wahn

der Nacht abgestürzt während wir der Engel warten

noch ist die Amaryllis in sich gezogen, Hawaii weit

zugedeckt hat das Laub die Wege im Wald, Sterne

kommen nicht herab zu uns, verstimmt das Klavier

in der Bar, lange Nächte allenthalben, schnell noch

einen Cocktail für die Wärme, langsam geht Basho

voran, die Schwermut sucht das Weite

Wind

Träume nur Schäume, die Venus geht

heut nicht an Land, kein Hallelujah ertönt aus den

Schalmeien. Ohne Fang fahren die Fischer in den

sicheren Hafen. Auf dem Markt stehen noch,  windumhüllt

Obst- und Gemüsekisten zum Verkauf. Ricotta und

Pecorino warten. Deine Haare flattern davon, schnell trinken

wir noch einen Kaffee, Regenschirme grüßen uns

Es war noch November

Das Seehofer zurücktreten würde, war nun keine aufregende Nachricht mehr. Franz nahm sie zur Kenntnis. Sein Ministerium würde er behalten wollen. Vorerst. Aber irgendwie war dies schon keine bedeutende Nachricht mehr. Söder hatte sein Lob getwittert. Als wäre Söder auf der Höhe der Zeit. Lob geht aber anders. Die Britten irritierten Franz mehr. Der Durchblick war da schwieriger. Auch darauf zu wetten, wie es mit dem Brexit weitergehen würde, war eher eine riskante Wette. Verflogen war gegen Mittag der Nebel, die Sonne zog über die Häuser. Im Wahlkampf hatte die AfD viel Werbung gemacht.Große Plakate, kleine Plakate, Internet. Als hätte sie das Geld der CSU. SPD, Grüne, FDP und andere konnten da nicht mithalten. Gönner hatte die AfD. Hatte auch die NSDAP. Parteispenden fand Franz undemokratisch. Hatten immer einen Beigeschmack. 

Kühler waren die Nächte geworden. Handschuhe ein Muss auf dem Rad. Die Nächte wurden länger. Schnell brach sie herein, die Nacht. Hühnersuppe wärmte ihn dann nach der Fahrt. Die Pläne für Weihnachten waren noch vage. Alles wie immer. Noch keine Geschenke. Noch keine Idee. Es war noch November. Noch Zeit.

unter dem Orange schwimmt das Gelb

Abgestürzter Adler in der Früh, Nebeltropfen drücken
gegen die Fensterscheibe, Rumble in the Jungle
nach Mitternacht, Ackerblumen längst vertrocknet, das
Pink schwimmt auf dem Orange, Ali tanzt im Seil
die Sonne schläft lang an diesem Tage, unter dem Orange
schwimmt das Gelb, nackte Bäume am Wegesrand, später
Perlhuhn an Risotto, Gummistiefel kreuzen die Auen
Hunde haben es eilig, Großmutter kochte immer heiße
Schokolade, meine Hand suchte deine, in Schlössern
kann man sich leicht verlaufen, der Adler will nicht
fliegen, der November liegt müde auf dem Sofa, Rothko
zwischen hell und dunkel, Lippen suchen Halt

November #2

Der November griff nach mir, zerrte

an meinem Mantel, der Wind pfiff

ums Ohr, Regen klatschte ins Gesicht

drang ein ins Gewand, nach mir schaute

keine Sonne, nur der Schal gab Wärme

ich schlitterte über das farbige Laub, größere

Laubberge wurden umkurvt, schnellen

Schritts ins Café, deine Hände wärmten mich

kein Buch wurde gelesen in der Nacht

einen pflaumenbaum zur ehr #2

zwischen dem verrückten erdbeermund und den
balladen des villons, der lebenswandel nicht
ohne rüge, die justiz stellte ihm nach
wund das tier in dir, die leidenschaft
nicht endend, im winter gar gesehnt nach
deinem mund, in paris gelebt die jahre der
sünde, gelästert der leidenschaft gefrönt, frei
ohne angst vorm henker bis zuletzt
zwischen Lumpengesindel und grab einen
pflaumenbaum zur ehr