Vielleicht ist das Leben eine Baustelle

Schon wieder ging die Welt nicht unter. Weder wegen der Eiseskälte. Noch wegen Amerika. Früher ging er gerne in den Türkendolch. Kleines Kino. Türkenstraße. Programmkino. Die Sitze waren nicht neu. Die Popkornauswahl stark begrenzt. Gute Filme liefen. Bier gab es auch. Vielleicht ist das Leben eine Baustelle. Die Schaufenster waren recht klein. Heute ist da ein gesichtloses Café. Nichts für ihn. Da ging er nicht hin. Heute wollte er ins Isabella gehen. Das gab es noch. Wie früher. Fast unverändert. „Paula“ lief da gerade. Die hatten auch kaum Popkorn. Er hasste Popkorn im Kino. Lieber Bier. Oder Eis. Gegenüber gab es eine französische Bar. Die hatte er immer geliebt. Vielleicht ist das Leben eine Baustelle. Manchmal wollte er aber keine.

In die weiße Landschaft

Sein Auto war nicht mehr das jüngste. Aber im Winter fuhr Franz doch hin und wieder mit ihm. Zur Arbeit. Oder schnell noch Freunde treffen. Zum Supermarkt. Die Kälte der Nacht gab der Batterie den Garaus. Sommergelb war sein Auto. Wirklich nichts für Angeber. Vier Räder. Innen nur ein wenig aufgeräumt. Manchmal rauchten seine Freunde im Auto. In der Früh war es nicht angesprungen. Minus zehn Grad. Nicht mehr gepackt. Nachbarn haben ihn angeschoben. Die KFZ-Werkstatt lag in einem Hinterhof. Sollten sich die Batterie einmal anschauen. Und ob sonst noch was fehlte. Zwei junge Polen. Verlangten nicht so viel. Hatte er beim Fußball kennengelernt. Jeden Mittwoch spielte er zum Spaß. Mit ein paar Jungs. Später gingen sie ins „Vereinsheim“. Musste sein. Aber heut musste er sich um seine alte Kiste kümmern. Die Bremsen waren auch nicht mehr die jüngsten. Am Wochenende fuhr er gerne über die Landschaften Richtung Horizont. Raus aus Berlin. Auch im Winter. In die weiße Landschaft. Bis zur Abenddämmerung.

Es muss gewünscht werden

Als hätte geholfen das

Wünschen. Was müssen das

für Zeiten gewesen sein. Am Meer

wohnten sie, der Fischer und seine

 

Frau, bescheiden ihr Leben war.

Klein nur das Haus. Und doch

war zufrieden der Mann. Nichts

wünschte er sich und als er fing den

 

Butt, ihn leben lässt, ihn, den

verwunschenen Prinzen und sich

nichts wünscht. Und wäre nicht

gewesen seine Frau. Plattfisch hin oder

 

her. Es muss gewünscht werden. Bis

dass das Meer pechschwarz, Gewitter

überall, der Wind das Meer auftürmt

Manntje, Manntje, Ilsebill

Dem Glück hinterhergelaufen

Wer träumte nicht Frau Holles

Geschütte herbei, Feder um

Feder, Flocke um Flocke?

Wer zog nicht in die weite

 

Welt, zu lernen das Fürchten?

In den Spiegel geschaut und

gefragt. Ließ fallen in den Brunnen.

Dem Glück hinterhergelaufen.

 

Ach Hans. Und küsstest nicht

gerne falsche Frösche? Nach

unruhigen Träumen schon wieder

drei Haare weniger. Muss das sein?

 

Zwischen Hochhäusern und achtspurigen

Autobahnen, durch den Tunnel jagende ICEs

die alten Musikanten wollen nur nach Haus

den Weg leuchten die Smartphones nicht

Alexanderplatz

Die Mitte von Berlin war nicht sein Ding. Zu laut. Zu bunt. Der Alexanderplatz schien ihm ziemlich missraten. Die Weltzeituhr albern. Shoppingcenter hasste er sowieso. Franz Biberkopf ist hier schon lange nicht mehr herumgelaufen. Éducation sentimentale. Aber warum nicht. Das Scheitern und die Hoffnung waren immer in seiner Nähe. Früher war hier das Interhotel. Waren gerne höhere Gäste der DDR zu Gast. Die Stasi hatte da immer viel zu beobachten. Auch das Hotelpersonal pflegte besondere Aufgaben. Aber er kramte nicht gerne in der Vergangenheit. Manchmal vermisste er die DDR. Heute irrte er oft durch die Stadt ohne Ziel. Er fuhr mit dem Aufzug ins Casino. Der Ausblick war wunderbar. Hatte immer ein wenig Spielgeld in der Tasche. Vielleicht war ja heute sein Glückstag. Die Kugel rollt schon.

Vom Flug der Vögel

Die Silben der Woche noch nicht zusammengekehrt. Erzähl mir von dem Flug der Vögel. Von der Weite des Horizonts. Russland ist unendlich weit. Wollt den Ural überfliegen. Die Felder zugefroren. Lada will hier keiner mehr fahren. An die Wolga zum Kaviar essen. Früher waren es Eimer, die als Abendessen gereicht worden. Der Kormoran findet immer noch einen Fisch. Der Handfeger findet noch immer Silben auf dem Fußboden. Entwischen immer wieder. Sie warten auf weißes Papier. Der Bleistift müsste auch mal wieder. Am Abendhimmel sind die Vögel nicht mehr zu sehen.