Transit

Wenn die Venus, nach allem, was wir Menschen wissen und berechnen können, die Sonne in 101 Jahren passiert, immer vorausgesetzt, die Venus existiert noch und auch die gute alte Sonne verschwindet nicht plötzlich und auch die gute alte Erde, wenn nicht was unvorhersehbares passiert, auch noch ihre Bahnen um die Sonne ziehen wird, dann wird am 11.12.2117 die Venus die Sonne verdunkeln, wird sie vor ihre stehen, schon Kepler hatte dies bedacht, doch die Venus, viel zu klein, wird nur einen winzigen Fleck der Sonne verdunkeln und die Menschen und wenn die Erde bis dahin noch keinen Besuch von Außerirdischen bekommen hat, nur diese, werden staunend, da ist sich Sandig sicher, diesen winzigen Fleck auf der Sonne ansehen und unsere Kindeskinder und Kinder der Kindeskinder werden sich darüber freuen.

Die Sonne tanzt über die Hügel

Der Mäusebussard fliegt über die leeren Felder. Längst eingefahren die Ernte. Hier und da Spuren von Winterweizen. Aus dem Stall kommt ein frohes Muhen. Der Melkschemel liegt verstaubt in der Ecke. Der Himmel scheint unendlich blassblau. Auf dem alten Bulldog der Bauer fährt ein sein Holz. Die Sonne tanzt über den Hügeln. Laub wird zusammengerecht von der Bäuerin. Tiefergelegt rast der Nachbarssohn um die Ecke. In die Stadt will hier niemand. Im Advent trägt der Maibaum eine Lichterkette. Jeden Donnerstag übt die freiwillige Feuerwehr den Ernstfall. Rausschneiden aus der brennenden Karosserie. Um den Baum gewickelt. Samstagabend nach der Disko. Wenn das Leben schnell geworden.

Nachthimmel

Ist der Himmel klar, der Blick schweift in die unendliche Ferne, träumt im Sternenzelt, schläft der Specht, nicht sein Hämmern erhellt die Nacht, treibt voran die Kälte, die Augen doch hängen an der goldleuchtenden Pracht. Fledermäuse schon länger nicht mehr erblickt. Nur hier und da eine Katze. Leise fliegt der Wind durch  das kalte Geäst. Der Fluss will nicht schweigen. Zu kalt für die Liebenden, wärmt doch der Mond sie nicht. Von der Ferne naht der Zug. Nach Paris. Bestimmt war es der Nachtzug. Vielleicht beim nächsten Mal. Die Nächte sind lang im Dezember. Die Liebe strahlt in den Augensternen. Nachthimmel.

Auf dem Weg, unruhig umher

unruhig umher geht er, schmal, sehr schmal, ob auf der Flucht oder doch nur durch die Einkaufsstraße, um schnell noch ein paar Dinge zu erledigen. Nicht freundlich sein Blick, keine Geste der Begrüßung, hineingeworfen in die Welt, zwischen Arbeit und Familie hetzen, oder doch allein, Pflicht erfüllend, heute, gestern, morgen, Passanten werden ihn nicht halten, nicht ihn einladen zu einem Kaffee oder einer Suppe. Bedürftig? Oder doch nur getrieben? Auf dem Weg, unruhig umher lässt Giacometti ihn seine Wege ziehen

Alberto Giacometti, Homme qui marche, 1960

Pyrrhussieg #Aleppo

Am Ende bleibt nichts, zerstörte Stadt, vernichtetes Land, ein Sieg? Ein Pyrrhussieg. Teuer erkauft, zu teuer. Auf diesen Sieg kann man nichts aufbauen. Kein Glück, keine Stadt, kein Land. Ein monströser Sieg. Die Menschen vertrieben. Die Häuser zerstört. Nichts zu essen. Verletzte. Tote. Kein Volk mehr da. Noch so ein Sieg und wir sind verloren. Assad ein Sieger? Im Blut ersoffen der Staat, das Land, die Menschen. Nicht die Römer besiegt. Ein neues Irak. Ein Land ohne Halt, fern einer Struktur. Heimatlos. Ein schöner Herrscher. USA von der politischen Landkarte verschwunden. Europa schaut zu. Iran die Finger im Spiel. Krankenhäuser und Schulen zerbombt. Ein Sieg. Ausgehungerte Stadt. Giftgasbomben? Kein Problem. Syrien keine Heimat mehr. Das Land zerstört. Aleppo zerstört. Ein grausiges Schlachtfeld. Noch so ein Sieg und wir  sind verloren.

Giacomettis Hund

Die Nase schnüffelnd auf die Erde gerichtet, doch die Erde ist keine Erde, abgemagert bis auf die Knochen schleicht herum, nicht bellend, nicht Angst einjagend, nicht imponierend, abgelegt jedes Macho-Gehabe, unbrauchbar für die Jagd, unbrauchbar zu hüten die Schaf, unbrauchbar zu bewachen den Hof, auch er, der Katze gleich, bringt nicht heraus den Ton, den es bräucht als Musikant. So schleicht er sich davon. Traurig sein Blick.

 

Hund, Giacometti, 1951