über dem feld einen fasan nachjagen

die gartenzwerge hatten auch schon bessere zeiten gesehen. ihre schönheit in gefahr. gern wollt ich über dem feld einen   fasan nachjagen. engelsgleich mit flatternden flügeln. später taten die arme weh. mit dem rad über die eisenbahnbrücke   geprescht. die roten lichter des zuges wurden immer kleiner. den reisenden die besten wünsche nachgerufen. das   moos von der parkbank hatte schon lang keiner mehr entfernt. löwenzahnsalatzeit. in nachbars garten kämpft eine   glyzinie gegen den frost der aprilnacht. auf dem feldweg kommt ein bauer mit einem milchwagen entgegen.   nebenerwerbsbetrieb. die anderen bauern im dorf haben längst aufgegeben, besitzen den bulldog…

der giersch spannt seine wurzeln aus

auf dem rad fliegt die landschaft dahin. der fluss schiebt die steine vor sich her. dort und hier ein specht   bei der arbeit. fleissig bauen die sperlinge. das kalte wasser lädt nicht ein. flussaufwärts fester in die pedalen.   eingezwängt in ein künstliches bett bleibt dem fluss keine luft zum atmen. gerne würde er ein paar schleifen drehen. ab und an springt   eine bachforelle dem angler davon. für rast bleibt keine zeit. der giersch spannt seine wurzeln aus. erst als die beine   brennen, endet die fahrt. die vögel sind lange noch nicht müde. das wasser fließt weiter…

die kühe sind der wiese verlorengegangen

das land schnell durchfahren, kein tempolimit hat uns gehindert. auch die reise mit dem zug lässt die großen städte schnell näherkommen. für das   meer, die berge braucht es etwas länger. doch bin ich in den bergen, was geschieht mit der gewonnen zeit? ratlos laufe ich umher. die diesellok   längst im museum. im zug immer vernetzt, keine mail verpasse ich. auf der autobahn geht es nie schnell genug. der motor muss ja endlich einmal ausgefahren   werden. wie halten das nur die franzosen, schweizer, italiener aus? der gelbe löwenzahn färbt die wiesen. die kühe sind ihr verlorengegangen.

voller ungeduld

der hölzerne steg führte weit aufs wasser, die möwen schrien ein lied uns ins ohr,   segelboote lagen am ufer in wartestellung, noch wagten sich wenige hinaus, badende   übten noch in der halle für den kühlen sprung, sonnenmilchverkäufer hatten ihre regale gefüllt. der fischer   räucherte seine renken, die zart belaubten bäume spenden schatten, ungeduldig warten wir auf den sommer.

der zitronenbaum #2

das land, wo die zitronen blühen, gelbe, saure früchte, kennst du es, das land, goethe fand sie auf sizilien. ein land der liebe und des glücks,   so scheint es fast ein paradies. doch entstand, zum schutz der schönen gelben frucht, zum schutz der wunderbaren bäume, die   cosa nostra. entstand doch unter dem zitronenbaume, nicht weit von palermo, in einem zitronengarten. aus der mode gekommen ist wohl   der handel mit zitronen. und doch, so schön das land, wo die zitronen blühen, so schön das land.

als wäre schon sommer

fliegende dichter allenthalben, rum um kirche, baumkrone, kerouac hinterhergelaufen, vollkommen nüchtern unmöglich, als wäre schon   sommer, der himmel voller sternschnuppen, die vögel bilden am firmament steile formationen, burroughs schaut uns über die schultern, während wir über   die felder laufen, das korn streichelt unsere beine, das pflaumenmus hängt noch an den bäumen, die ziegen sind längst ausgebüchst, der buchsbaum zerfressen   immer weiter laufen wir ins abendrot der kadaver des zusammengefahrenen rehs umgarnt von einem haufen fliegen kein storch wartet auf uns.

in der u-bahn #2

abendgedränge. längst sind die sitzplätze besetzt. studenten müde der professoren. schnell muss die mutter mit   ihren kindern vom hort zum einkaufen. nächster halt odeonsplatz. die stehplätze werden knapp, geschiebe, körper an körper.   wer kein handy in der hand hat, muss rentner sein. oder kind. hier und da, fast verloren, menschen, die miteinander reden. verschiedene   sprachen dringen ans ohr. porschefahrer nicht anwesend. marienplatz. die u-bahn spuckt die fahrgäste aus. schnell zur s-bahn.   rauf in die fußgängerzone. in dem bauch der stadt gewimmel. vorbei ein passant, zieht in einem holzwagen ein gans hinter sich her.   als hätte…

Kartographie #9 Silberhornstraße

Zum Franz musste Maria nur eine U-Bahn-Station fahren. Oder laufen. Sie mochte den Bahnhof Siberhornstraße. Knallorange. Kräfte Sonne unter der Erde. Frei von Säulen der ganze Bahnsteig. Wer wollte, nahm von hier die Straßenbahn nach Grünwald. Doch Maria mochte Grünwald nicht. Obwohl die Fahrtstrecke sehr schön war. Lieber unter der Erde die Sonne. Manchmal lief sie den Berg zum Franz auch zu Fuß rauf. Obwohl die Sonne auch auf der Erde schien, hatte sie heute keine Lust. Sie ging auf der Tegernseer Landstraße noch ein paar Kleinigkeiten fürs Frühstück einkaufen. In der TeLa war eigentlich immer was los. Sie war…

die spargelstecher krümmen ihre rücken

unbehaust die felder, der aprilwind treibt die vögel vor sich her, die raben wehren sich tapfer gegen den späten   schnee, die mützen der radfahrer sind tief ins gesicht gezogen der bauer flügt für die saat den acker, zieht wellen   über das land. die sonne verliert gegen die wolken den kampf. die spargelstecher krümmen ihre rücken, später   karren die alten busse sie wieder in ihre schlafstätten. der sohn des bauern heult mit seiner crossmaschine über die rauen   wege. kühe sieht man hier keine. schweine haben schon lange keinen ausgang mehr. ein verlaufender hahn kräht um sein leben.

Kartographie #8 Stachus

Maria war mit dem Zug aus Florenz gekommen. Sie tat noch ein paar Schritt. Ging vom Hauptbahnhof zum Stachus. Der Brunnen hatte noch kein Wasser. Wollte sich wie eine Touristin fühlen und setzte sich an den Rand. Schaute den Leuten zu. Den Autos. Nachher ging sie ins Fastfoodrestaurant wie so viele Touristen. Aß ein paar Pommes und einen Burger. Als wäre sie im Urlaub in Monaco. Dabei lebte sie ja gerade in München. Ostern bei der Familie und bei Freunden hatte sie genossen. Aber nun war sie froh, wieder in München zu sein. Freute sich auf Franz, der auch bald…