Wenn Schnee lag, frisch und zart

19.02.2017

Wenn Schnee lag, frisch und zart, zog Franz gerne seine Wanderstiefel an – gut eingefettet – und zog los. Über die Felder, Wiesen, in die Berge, auf die Hügel. Zog die Luft ein, hüpfte vergnügt wie ein kleines Kind. Fuhr mit dem Auto aus die Stadt oder dem Zug. Nicht allzu weit. In das Weiße. Saß sich die tiefen Spuren an. Die Rillen, die Abdrücke. Ging oft stundenlang. Bis die Beine schwer wurden vom tiefen Schnee. Kein Halten war. Liebte das Knirschen unter den Sohlen. Wollte in den unberührten Schnee. Sah Spuren vom Reh. Oder Hasen. Blieb dann gern über Nacht auf dem Land. Besuchte Leute. Fern der Stadt. Hin- und hergerissen zwischen Stadt und Land. Konnte ohne Stadt nicht sein. Konnte ohne Land nicht sein. Der Schnee lag wie Sanddünen über dem Feld. Verweht vom Wind. Bis zum Abend wollte er gehen.

Wochenende

Der Lech fließt fast vorbei, eingeengt von Beton,

der Freiheit beraubt. Kaiser Augustus schaut

auf sein fremdes Volk. Der Dom steht kleingedrückt

zwischen den Häusern. Nur Ulrich ragt empor.

Fremd schaut der Hotelturm auf die

Stadt. Das Theater ist wegen Mängel geschlossen.

Auf der Maxstraße trinkt sich  der fröhliche

Stadtbewohner um seinen Verstand. Gegen die

Ödnis der Großstadt sammelt sich die Jugend

beim Schnellimbiss. Ein chilliger Abend.

Erhellt das Abendvergnügen

Einkaufstempelglück. Rollentreppen

zum Konsum. Keine Feuchtigkeit dringt

an die Haut. Höchstens Schweißausbrüche.

Wohltemperiert werden die Jacken über

Board geworfen. Die untergehende Sonne

wird hier nicht vermisst. Erhellt das

Abendvergnügen. Volle Bäuche reihenweise.

Im Parkhaus ist ein Stau zu vermelden. Hier

braucht keiner etwas. Mit vollen Taschen

fahren sie heim.

Wenn der Föhn drückt die Berge in die Stadt

18.02.2017#2

Wenn der Föhn drückt die Berge in die Stadt, wird Franz immer nervös, packt ihn Sehnsucht zu den Alpen. Fuhr dann schnell mit dem Auto hin zur Kampenwand. Am liebsten eigentlich dort. Weniger oft nach Garmisch. Kannte Leute im Chiemgau, mochte den Weg hinauf. Manchmal fuhr er auch Ski dort. Auch mit seinem Großvater war er oft dort gewesen. Im Sommer. Im Winter. Das Skigebiet war eigentlich kein Skigebiet. Eine Hand voll Pisten. Das wars. Aber Franz war das oft recht. Keine Eskapaden. Keine Party im Schnee. Frische Luft. Manchmal wanderte er auch durch den Schnee. Liebte den Blick auf den See. Kehrte ein. Traf sich mit Freunden. Aß eine Kleinigkeit. Trank ein wenig. Oder manchmal auch mehr. Großvater liebte auch die Kampenwand. Immer wieder waren sie durchs Gebirge gezogen. Wenn sie Hunger bekam, waren sie immer auf die Gorialm gegangen. Im Winter, auch im Sommer. Mit einer Suppe gewärmt. Brotzeit gemacht. Ein Bier getrunken. Der Abstieg gelang immer. Zur Not konnte er bei Freunden übernachten.

Manchmal ist ja ein Abstieg hilfreich

18.02.2017

Bei den Löwen ging es ein wenig drunter und drüber. Ständig wurden neue Stellen frei. Franz würde sich nicht einmal im Spaß bewerten. Viel zu unsicher. Er mochte die Leipziger auch nicht besonders, aber sie machten einen guten Job, dies war keine Frage. Dass konnte man von den 60er nicht behaupten. Manchmal ist ja ein Abstieg hilfreich, um neu anzufangen. Den Löwen war aber auch dies nicht zuzutrauen. Am Samstag hörte Franz gerne Radio. Bayern 1. Heute im Stadion. Sonst hörte er nie Bayern 1. Eher Bayern 2. Nicht immer. Manchmal auch andere Sender. Er wechselte aber selten. Nur Samstags immer Bayern 1. Fußball schaute er selten im Fernsehen an. Hatte kein Sky. Wollte kein Sky. Ab und an Sportschau. Mochte die privaten Fernsehsender nicht. War da eigen. Noch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern aufgewachsen. Werbung war ihm ein Graus. Im Grunde mochte er auch keine Fernbedienung. Natürlich schrieb er meistens am Computer. Doch hin und wieder setzte er sich an eine alte Schreibmaschine. Mochte das haptische. Den festen Druck auf die Tasten. Jeder Finger musste arbeiten, um den jeweiligen Buchstaben aufs Papier zu drücken. Machte er aber nur bei kurzen Texten. Mitunter schrieb er ein Gedicht wiederholt an der Maschine. Liebte die Geräusche. Das Einspannen des Papiers. Fast wie ein Klavier. Beim Radeln durch die Innenstadt hatte er einen Umweg machen müssen. Wegen der Sicherheitskonferenz war vieles abgesperrt. Aber dies war eigentlich Routine. Am Abend musste er noch einmal mit der Band spielen. Eine Hochzeitsfeier. Könnte länger werden. Wurde gut bezahlt.

Besuch aus Rom

Am Cafétisch schräg hinten links schien

fast ein kokettes Lachen gegen die grauen

Regentropfen, die schwarze Brille liegt auf der

zugefalteten Zeitung, genau über

 

der Krawatte des Politikers, ihr Cappuccino

ist schon fast leer, ihr Blick fällt immer auf das

Smartphone, unruhig schaut sie sich um, endlich

kommt die Verabredung, eine  ältere Dame legt

 

ihren Mantel ab, es könnte ihre Mutter sein, der

Kellner bringt die ausgesuchte Ware. Sie lebt jetzt

in Rom, ist nur auf der Durchreise, alte Freunde

 

treffen, die Tochter sorgt sich um die

Gesundheit, heut Abend geht wieder der Flieger

nach Italien. Der Aperitif schmeckt ihr gut.