Arbeitszimmer

Der Kastanienbaum vor Franz Arbeitszimmer blühte rosa. Die Wörter fielen ihm nur so auf den Tisch. Vorsichtig schrieb er sie auf. Mit dem Bleistift, mit der Schreibmaschine. Er liebte das Handwerk. Gerne wäre er Schreiner geworden. Nur die Maschinen waren ihm zu laut. Aber der Klang seiner Schreibmaschine war ihm recht. Nein, nicht immer. Doch mit Blick auf den Baum, auf die aufgeworfene Rinde, wollte er nicht am Computer arbeiten. Gewitterstimmung lag in der Luft, die Wolken zogen sich zu. Ob er am Abend draußen sein könnte, würde sich noch zeigen.

Rom bei Regen #2

Roma. Zwischen den alten Kaisern, die kämpfen ließen die Gladiatoren Mussolini, der führen wollte   und mit dem Führer paktierte knattern die Vespas vorbei, gerät eine Taube in Gefahr der Tiber ist heute fast ein   sauberer Fluss geworden verglichen mit der Zeit von Kaiser Nero La dolce vita wurde hier schon lange nicht mehr gedreht   Auf dem Campo dei fiori verkaufen die Händler immer noch Gemüse das Licht im Pantheon   kommt direkt vom Himmel. Wenn Regenfälle den Brunnen von Trevi füllen, laufen nur noch die Verliebten über die Straßen

Fliederbusch

Durch den Mai radelte Franz gerne, als flöge er durch den Fliederbusch. Schön fingen die Kastanien an zu blühen. Am Kiosk schnell ein Bier geholt und an die Isar gesetzt und gewartet, bis die Sterne herunterfielen. Noch waren die Nächte nicht so warm wie im Sommer, aber mit einer Decke hielt er es gut aus. Die Luft war mitunter arg mit Süße angefüllt, aber der nächste Regen würde die Luftbilder rein waschen. In der Nacht schrieb er gerne noch kürzere Texte. Manchmal auch nur einfache Notizen.

maienkönigin

die wallfahrer benötigen kein feigenblatt mehr, das ave maria schnell gebet, auf dem berg dann glückseliger   rausch nach langen strapazen das dirndl der bäuerin sitzt stramm, ähnlichkeit mit picassos frauenbilder eher zufällig, am   ende noch ein letzter rosenkranz, bevor der rausch einen übermannt vergelt´s gott

schumanns clara läuft auf dem klavier davon

das basilikum auf dem küchenfenster strebt nach italien oder doch nur zum himmel eine inventur klärt das gebliebene   zeigt das notwendige(eich) der krieg fast vergessen, schumanns clara läuft auf dem klavier davon träumereien, horowitz gespielt,   nervenanstalt nicht entkommen, die blumenkinder auf der wiese, im supermarkt zwei tüten milch für den kaffee gekauft

Über die Rapsfelder

Über die Rapsfelder zog der Mäusebussard seine Kreise, der Bauer fährt das erste Heu ein. Gewitterwolken rasen   um die Wette, die Katzen zieht es in die Scheune. Die Liebeschwüre der Jugend längst vergessen. Deine Haare verweht. Heute   hast du die Gehirnhälften vertauscht. Über die Hügel knattert ein Zweirad. Älteres Modell. Löwenzahn verblüht.

Verwundert

Am Ende konnte Franz oft nur verwundert die Augen reiben über Trump. So eine Geschichte hätte er sich nicht ausdenken können. Hätte ihm kein Verlag abgenommen. Total unglaubwürdig. Nachdenklich ging er durch die Nacht. Biergarten längst geschlossen. Aber Durst hatte er schon noch. Lief alles quer gerade. Lief durch die Nacht.

Wenn die warmen Tage kamen

Nicht immer hatte Franz Zeit. Aber wenn die Sonne schien, die warmen Tage kamen, die Sonne nicht untergehen wollte, radelte er gern in einen Biergarten. Oder ging zu Fuß zum Nockherberg. Er liebte auch den Aumeister oder den Taxisgarten. Ein paar Freunde hatten meist Zeit. Manchmal nahm er was zu essen mit, einen Salat. Den Rest konnte man dann ja kaufen. Einen Steckerlfisch oder Brathändl. Brezen vielleicht mitgebracht. Ein kühles Bier. Die Kastanienblätter waren noch licht. Machmal ein Kartenspiel. Oder einfach nur dasitzen. Nicht zuviel reden. Mit Großvater war er oft im Nockerberg gewesen. Trafen dort viele Nachbarn. Wohnzimmer der…

wolken gibt es nur auf der resterampe

die sonne brennt aufs hirn, der girsch kennt keine gnade und wächst, die sonnensegel längst   getreift, die zunge hängt dem hund aus dem hals schnecken verkriechen sich in ihr haus, die keins haben,   suchen sich eine andere bleibe, frohlockende eisverkäufer singen verdi-arien nach den eisheiligen freut sich   der gärtner auf kundschaft prachtvolles lila strahlen die petunien, wolken gibt es nur auf der resterampe. du sagst   es würde regen kommen? niemand schenkt heute deinen worten aufmerksamkeit heute nicht