Den Winter hat sie nie gemocht

Schwer der Gang über den Flur. Zwischen

Küche, Bad und Stube ihr ganzes Revier.

Vor die Tür kommt sie nur noch selten. In

den 1. Stock schon gar nicht. Sie kommt vom

Land und lebt vom Land. Immer Bäuerin

gewesen. Die Furchen des Ackers und die

Falten des Gesichts gleichen immer mehr.

Im Stall ist schon lang kein Vieh mehr. Alle

Kühe verkauft. Ihre Knie machen schnell

schlapp. Einer der Kinder schaut immer

nach ihr. Die Haare kann sie nicht mehr selber

machen. Wenn sie am Herd steht, macht sie

am liebsten Suppe. Die wärmt. Von außen.

Von innen. Den Winter hat sie noch nie gemocht.

Als nächtlings unterwegs #2

Als nächtlings unterwegs, lauwarm die Nacht, um die Ohren flogen ihm Cherubinen. Er wusste nicht recht woher, wieso. Doch erkannt er sie gleich, so sonderbar ihre Gestalt. Viel zu viele Flügel, viel zu viele Gesichter für irdische Wesen. Engelsgleich sie schienen,
so menschlich ihre Gestalt. Doch er verstand nicht ihre Worte. Auch Seraphine flogen herbei. In der Hand, die Cherubinen, hielten ein Schwert und er wusst´, er muss
gefallen sein aus dem Paradise.

Linsensuppe

Winterblau strahlte der Himmel in den Alpen. Der Chiemgau lachte. Mit Schneeschuhen waren Franz und Maria gelaufen. Bis die Beine brannten. Erschöpft machten sie Rast vor der Hütte. Linsensuppe füllte den Magen. Doch zuerst Flüssigkeit nachgefüllt. Die Beine ausgestreckt. Die Sonnenbrille zurechtgerückt. Hier gab es wenig Skifahrer. Meist nur Tourengeher. Doch die Schneelage war weiter oben kritisch. Lawinengefahr. Der Schnee war weich und zart. In der Nacht hatte es gehörig geschneit. Der Hüttenwirt hat lang gebraucht, bis Fenster und Tür frei waren. Franz und Maria tranken noch einen Kaffee. Sie hatten keine Eile. Noch würde es nicht dunkel werden. Zur Not hatten sie Stirnlampen dabei. Die SPD hatte für das große Krokodil gestimmt. War wohl unumgänglich. Lindner sei Dank. So langsam wurde es Zeit für eine neue Regierung. Beim Abstieg bildete der Mond eine Sichel. Der Schnee wurde fester. Die Wangen waren kühl.

Zakopane: Krzysztof #2

Wenn der Schnee recht war, schnallte sich Krzysztof die Skier an und ging in die Berge. Oft nach der Arbeit. Ein wenig den Puls in die Höhe treiben. Frische Luft schnappen. Er kannte sich aus. Wusste den Schnee gut einzuschätzen. Führte manchmal auch Touristen. Die aus der Stadt kamen. Aus Warschau. Oder Krakau. Kattowitz. Manchmal kamen auch Deutsche. Oder Russen. Meist aber Polen. Verdiente ein paar Euro dazu. Im Sommer ging er auch in die Tatra. Nur am Schalter sitzen ging dann doch nicht. Brauchte die Bewegung. Liebte die Ruhe. Ging oft alleine. Krzysztof ging aber auch mit Freunden. Später sprang er gern in den Morskie Oko, oft war der See kalt. Doch das war Krzysztof recht nach einer langen Tour. Unterwegs aß er oft Schafskäse. Mehr brauchte er in den Bergen nicht.

Die Schlachten waren groß #2

Die Schlachten waren groß, die bestehen musste der Held, umkämpft war die Stadt, Troja, umkämpft zehn Jahre lang. Mit zwölf Schiffen fuhr heim Odysseus, fuhr heim und irrte und irrte herum übers Meer. Zehn Jahre irrte Odysseus übers Meer, bis kam, allein, heim er von der Schlacht. Grausam und heldenhaft kämpfte gegen Zyklopen, einäugige, ausstechend das eine Auge, listig hängend an die Ziegen zur Flucht. Kämpfend gegen den Schlaf der Lotusblume, einfangend die Winde der Meere, besiegt die Zauberkraft, die Zauberkraft von Kirke und widerstand, widerstand dem Gesang der Sirenen.

Zakopane: Krzysztof

Regelmäßig kommen die Züge aus Krakau nach Zakopane. Im Winter ist immer viel los. Wie Fliegen fallen sie über Zakopane her. Wollen alle Ski fahren. Doch auch im Sommer kommen viele zum Wandern. Wege und Hütten gibt es genug. Krzysztof verkaufte gern Fahrkarten. Redete gern mit den Leuten. Lokomotivführer hätte er nicht werden wollen. Da musste man immer aufpassen. Wenn nichts los war, träumte Krzysztof gerne. Er träumte schon lange bei der Arbeit. Ohne Träume wäre sie ihm doch zu langweilig. Dennoch liebte er die Arbeit. Fuhr meist mit dem Rad zur Arbeit. Wenn er Zeit hatte, ging er gern in die Berge. Von der Tatra konnte er nicht genug haben. Früher war er Skispringer gewesen. Mit mittelmäßigem Erfolg. War immer schlechter gewesen als Adam. Hat dann aufgehört, bevor ihm alle Knochen weh taten. Auch der Papst ist mal in Zakopane gewesen. Doch das ist schon lange her. Krzysztof hat ihn sehr verehrt. Wie fast alle Polen. Als der Papst noch Bischof in Krakau war, war er öfters in Zakopane gewesen. Krzysztof hatte seinen Papst immer geliebt. In seinem Haus hingen Bilder von ihm. Seine Frau war das oft zu viel. Doch am Sonntag ging sie immer mit Krzysztof in die Kirche.

Krokodile

Zum Glück war Franz nicht in der SPD. So musste er sich nicht den Kopf zerbrechen über die Vor- und Nachteile von großen Krokodilen. Irgendwie war er bei der Frage mittlerweile ziemlich genervt. Doch scheinbar ging es den Deutschen ja auch ohne neue Regierung ganz gut. Manchmal hörte man sogar etwas vom neuen Bundestag. Doch dies war eher selten. Noch mehr nervte ihn eigentlich das Wetter. Kein richtiger Schnee in der Stadt. Laue Temperaturen. Er mochte Kälte im Winter. Eis und Schnee. Fuhr auch gern mit dem Rad über weiße Straßen. Wollte den Winter auch in München haben. Nicht nur in den Bergen. Am Sonntag würde er wohl in den Schnee fahren. Vorher keine Zeit. Musste noch arbeiten. Dinge erledigen. Am Abend in der Bar. Musste auch noch einen Text fertig schreiben. Termin ist Termin. Aber am Sonntag würde er früh in die Berge fahren. Mochte kein Gedränge. Keinen Stau. Krokodil hin oder her. er hatte ja im Herbst gewählt.

Olsztyn: Agnieszka

Einmal im Monat fuhr sie mit dem Fernbus nach Olsztyn. Ihre Eltern lebten noch dort. Meistens fuhr sie um 18.45 Uhr ab München. Es gab auch andere Verbindungen. Doch dann müsste sie umsteigen. Mit etwas Glück war sie um 14.20 dann in Olsztyn. Gerädert. Doch die Busfahrt war günstig. Ein Flug ging zwar schneller. Doch dann müsste sie ab Warschau schauen, wie sie weiterkommt. Wenn sie heim fuhr, hatte sie nicht viel Gepäck dabei. Sie arbeitete im Krankenhaus. Verdiente nicht schlecht. Mehr als in Polen. Hatte Deutsch gerne gelernt. Wollte raus.

Früher war Olsztyn Ostpreußen gewesen, hatte zu Deutschland gehört. Deutsche gab es fast keine mehr in Olsztyn. Während und nach dem Krieg waren sie geflohen. Agnieszka hatte nichts gegen die Deutschen. Hatte gerne ihre Sprache gelernt. Ihre Eltern hatten es nicht so gern gehabt, dass sie Deutsch lernte. Sie hätte daheim bleiben sollen. In Masuren war außer im Sommer wenig los. Im Sommer kamen viele Touristen. Die Seen waren wunderschön. Im Winter lag viel Nebel und Schnee. Da kamen keine Touristen. In Olsztyn gibt es jetzt sogar einen Flughafen. Nur selten billige Tickets. Der Flughafen war nicht neu. Alter Militärflughafen. Agnieszka mochte ihn nicht. Der CIA hatte ihn wohl öfter mal benutzt für besondere Missionen. Flüge aus Afghanistan waren dort gelandet. Agnieszka mochte den Winter in Masuren nicht. Selten war Sonne zu sehen. Kälte kroch in die Glieder. Wodka trank sie nicht. Ihre Generation trank kaum Wodka. Wodka tranken die Alten. Die Jungen hatten Ziele. Wollten Geld verdienen. In England. In Deutschland. Schöne Klamotten tragen. Schöne Autos fahren. Urlaub in Italien machen.

Den Sozialismus hatte sie nicht kennengelernt. Sie war zu jung dafür. Wollte davon auch nichts wissen. Vom 2. Weltkrieg wollte sie auch nichts wissen. Früher hatte es in Olsztyn viele Juden gegeben. Um die 500 müssen es gewesen sein, bevor die Nazis kamen. Für die Juden hatte sie sich immer interessiert. Früher gab es eine Synagoge. Zerstört. Vom jüdischen Friedhof ist kaum noch was zu erkennen. Ist aber nicht zerstört worden. Agnieszka geht gerne dort spazieren. Geblieben ist das Leichenhaus.

Wenn Agnieszka heim kommt, gibt es immer Piroggen. Oder Fisch. Wenn Vater einen gefangen hatte. Fisch gab es dauernd. Den vermisste sie in München am meisten. Der war ihr in der großen Stadt viel zu teuer. Und oft nicht frisch genug. Zander. Barsch. Hecht. Sie war nicht wählerisch. Nur frisch musste er sein.

Als Jandl den Führerschein machte #2

Als Jandl den Führerschein machte, da hatte es der Fahrlehrer nicht leicht. Verwechselte der Fahrschüler schnell mal links mit rechts oder rechts mit links und fuhr nach da und nach dort anstatt nach dort und nach da. Als dann Jandl dort war und nicht da, war der Fahrlehrer fort. Beim nächsten Mal, der Fahrlehrer war wieder da, fuhr Jandl nach dort und nach da, anstatt von da nach dort und fuhr nach rechts und nach links und auch im Kreis. Doch als fuhr Jandl im Kreis verkehrt, anstatt rechts nach links, da war der Fahrlehrer fort und kam nicht mehr.