Wahlkampf

Franz war sich nicht sicher. War eigentlich schon Wahlkampf? Oder kommt der noch? Wo findet der eigentlich statt? Und wer kämpft da gegen wen? War da was? Bald waren doch Bundestagswahlen. Da war sich Franz sicher. Aber irgendwie alles lau. Kein Kampf nirgends. Vielleicht sollten die Wahlen ja diesmal ohne Wahlkampf stattfinden? Oder lag das am Sommer? War denen zu heiß? Angeblich war Schulz neulich in München. Bei einer Autofirma. Aber ist das Wahlkampf? Ging alles spurlos vorüber. War wohl Sommerdepression. Alle waren Ferienreif. Urlaubsreif. Bloß keine Anstrengungen. Vielleicht sollte Franz ja schon einmal seine Briefwahlunterlagen beantragen. Dann wäre das…

die kunst des essens

passagen, passanten, im vorbeigehen, en passant, als gäbe es nichts zu verlieren, durch die trostlosen vorstädte gedankenverlorene einkaufparadiese fluchten durch die stadt, flanierenden durch die großen städte des südens schattenspendendes glück, schnell in die bar, das sein ist an der theke erträglicher die kunst des essens wird schon in der früh diskutiert, der herbstwind pfeift den regen in die ecken, benjamins paris längst verloren

Heimspiel

Freunde von Franz hatten Karten besorgt. Heimspiel der Löwen. Das erste im Grünwalder Stadion. Wenig Sitzplätze, wenig Karten. Nicht mehr in der Arena. 4. Liga. Franz war ja kein 60iger. Aber wird bestimmt ein netter Abend. Endlich wieder was los in Giesing. Neue Stadien waren ja immer außerhalb der Stadt. Aber in der Stadt war es viel angenehmer. Konnte zu Fuß hingehen. Oder mit dem Rad. Nur ein Sprung. Und das Gewinnen fällt ihnen in der 4. Liga bestimmt nicht so schwer. Wenn der Investor endlich gehen würde, würde Franz vielleicht noch zum Löwen-Fan werden.

Haus der Kunst

Abends, manchmal auch gerne im Sommer, schlenderte Franz gern durch das Haus der Kunst. 80 Jahre alt. Ein unsäglicher Ort. Eine nicht zu ertragene Ästhetik. Und doch immer wieder spannende Ausstellungen. Immer eingeschrieben gegen den Nazi-Wahn. Danach noch in die Bar. Die Leute dort gefielen ihm nicht immer, Doch die Terrasse war wunderbar. Die Getränke gut gekühlt. Der Englische Garten vor der Nase. Das Plätschern des Eisbaches kämpfte gegen den Stadtlärm. Sonderbarer Ort. Seltsame Umbaupläne. Das Grün der Bäume stand dem Haus ganz gut. Hitlers Reden verhallt. Hakenkreuzfahnen hängen keine mehr. Der richtige Umgang mit dem Ort? Monströs, dass Hitler…

mit schwarzen füßen

auf der suche nach dem sommer dem phlox nachgerannt. in den entfernten spuren des gehirns in großvaters garten gefunden. endlos lang schien er. fern die pflichten. zwischen den beerensträuchern und den obstbäumen blumenrabatten. in weiß, blau, rosa. brause aus der hand geschleckt, nachbars hund nachgebellt, auf der wiese boccia gespielt, mit schwarzen füßen kirschen in der küche gegessen

möglicherweise #2

möglicherweise ist es so, dass nicht nur wondrascheck seine familie am sonntag auf dem friedhof zusammengeklaut hat.   möglicherweise lesen die kinder heute nicht mehr karl may froh wären die eltern möglicherweise, wenn die   kinder heute karl may lesen würden. begann der tag früher mit einer schusswunde, wird heute eine nachricht verschickt.   möglicherweise war die welt früher nicht in ordnung, aber fußball gab es am samstag, da wusste man wann man vater nicht stören durfte.   möglicherweise war der samstagabend früher nicht lustig, aber versammelt vor dem fernseher wusste jeder, was er nicht zu verlieren hatte. früher gab…

das zimmer im gelben haus #2

ein bett, ein waschtisch zwei stühle, mehr brauchte nicht, van gogh. einen schrank vielleicht noch für dies und das   ein paar bilder an der wand künstlerzimmer eben. der boden aus holz, dielen grobes pakett, kein teppich   im gelben haus in arles einfach, karg, als wärs eine klosterzelle. in wunderbaren farben, froh und warm   zitronengelb, mohnrot himmelblau, orange doch malte van gogh das Zimmer schräg, fast   schräg, als würde wanken der boden, wanken, die bilder schief, hängen schief an der wand, als begänne der   wahnsinn zu kriechen, als begänne der wahnsinn. so ist es nicht das…

passagen

und ist doch, als ginge bliebe, gedankenverloren zurück, passagen, passanten vergeben die gabe, verloren   das vermächtnis, zwischen osnabrück liegt derrida wer sollte nicht, einerlei gedankenverloren   zersprungen die gedanken des glücks zerrinnen der erinnerung   das pariser pflaster ist härter geworden, am ende kein empfang

CSD

CSD fand Franz immer spannend. Nette Leute, lustige Musik, eine gute Zeit. Traf viele Freunde. Für Maria war es zunächst etwas fremd. Aber auch sie hatte Gefallen daran gefunden. Die Kostüme bunt, manchmal grell. Natürlich war Ehe für alle ein Thema. Regenbogenfarben bis zum Himmel. Selbst Bayern-Fans waren dabei. Musste aber nicht sein. In Köln waren wohl mehr Leute auf der Straße gewesen. Aber dem Franz hatte es gefallen. Nach dem Umzug noch in die Hans-Sachs-Straße gegangen. Weiter gefeiert. Der Sonntag war zum Ausschlafen gerade recht. Endlich wieder mehr Sonne. Sanfte Wärme schon am Morgen. Angenehmes Radl-Wetter. Quer durch die…

über den zorn #2

der zorn kann kommen wie der blitz vom himmel aufgeladene gewitterwolken in der hitze der nacht   das volk den zorn packen über einen herrschenden hinwegfegen. gottes zorn furchtbar sein   unsägliche plagen senden die wut, die einen packt ein lächerlicher emotionaler akt doch grollen und grimmen   noch zu mild erscheint, der gerechte zorn einen packt und aufbegehrt gegen das unrecht   reinigt das gewitter die luft empört euch!  indignez-vous! der himmel ist blau!