In der weißen Nacht

In der weißen Nacht, die nicht endet, der

Himmel unendlich weit, nicht müde wird

unsere Liebe, die Gedanken fliegen über

 

Mauern, die Hirten längst das Feld verlassen

die Kühe im Stall, abgekühlt längst die Motoren

nur die Herzen machten noch Krach, Norwegens

 

König längst im Bett, Wilde Erdbeeren zergehen

im Mund, Szenen einer Ehe werden heute nicht

gefilmt, zerwühlt nur das Laken

Über die Rapsfelder #2

Über die Rapsfelder zog der Mäusebussard seine

Kreise, der Bauer fährt das erste Heu ein. Gewitterwolken

rasen um die Wette, die Katzen zieht es in die Scheune.

Die Liebeschwüre der Jugend längst vergessen.

Deine Haare verweht. Heute hast du die Gehirnhälften

vertauscht. Über die Hügel knattert ein Zweirad.

Älteres Modell. Löwenzahn verblüht.

entlang der Küste

der Norden unendlich weit, das weiße

Licht über der See, der Kompass würde

den Weg zeigen, das Meer würde ein Lied

singen, entlang der Küste, laufen die Spuren

im Sand, zerronnen zwischen den Körnern

der Zeit, am Abend lagen wir am Strand,

Feuer wärmte uns, das Wrack der alten Jahre

lag in der Brandung, ein Schauer lief uns über

den Rücken, das Sternenzelt war unser Dach

auf der faulen Haut

Der Vorhang liegt hintan, zerfledertes

Stroh auf der Chaussee, auf dem Sommersee

schwimmt die Milch der frühen Tage, uns

grüßt ein Fisch aus der Tiefe, der Brombeeren

Stacheln bohren sich in unsere Haut, ihre

schwarzes Blut färbt uns lila, in unseren Ohren

liegt der Gesang der Möwen, später liegen wir auf

der faulen Haut, Rücken an Rücken

 

Schwalben fliegen tief

der Mais verleitet nicht zum Schweifen über

die Felder, nur vereinzelt eine Blume, das Korn

niedergelegt von dem schwarzen Gewitter.

Mohn blüht tapfer dazwischen, im Schatten

des Holunders reifen schwarze Beeren heran

Jungvögel drehen ihre ersten Runden, nachts

pfiffen wir zwischen den Fichten im Wald, die

Hände suchten sich, Wölfe waren nicht zu hören

Großmutter wartete daheim, die Hühner waren

längst im Stall. Laurentia wieder fort und nicht hier.

Schwalben fliegen tief.

Der große Knall

Franz freut sich immer auf den Sommer. er hat etwas sorgloses. Man verträumt gern den Tag unter Kastanien, kühlt sein Gemüt im See und geht die Dinge entspannter an, macht eine Siesta und ist zufrieden. Der Fußball macht Ferien, die Politik auch. Vielleicht wollte Seehofer vor dem großen Sommerloch noch ein wenig Spaß haben. Den besten Wahlkampf aller Zeiten führen, obwohl er selber gar nicht zur Wahl steht. Strauß endlich in den Schatten stellen und es zum großen Knall kommen lassen. Gewitter gab es ja eh genug. Da konnte er üben. Den Blitz gewaltig einschlagen lassen und dann schauen, was noch da wäre. Noch schnell, kurz vor der eigenen Rente, irgendwann würde sie kommen, den großen Wurf wagen, der ihm den Platz in den Geschichtsbüchern sichern würde. Zumindest in den bayrischen. Eigentlich hatte Franz gehofft, das die Groko einige Zeit einfach arbeiten würde. Dafür waren die Politiker ja gewählt worden. Nicht für Kraftmeierei und Fingerhakeln. Franz war für die CSU eh ein hoffnungsloser Fall. Wegen ihm musste sie so ein Theater nicht machen. Er würde sie so nicht wählen und anders auch nicht. Doch die Furcht vor den AfD-Wählern saß dem Söder und dem Seehofer im Nacken. Franz sah immer das Zucken. Der Frühsommer hatte eine Pause eingelegt. Es war kühler geworden. Kein Fön drücke von den Bergen in die Stadt.

Die Märchen lagen im Kühlschrank #2

Die Märchen lagen im Kühlschrank. Sicher

ist sicher. So bleibt das Blut länger frisch.

Abgehackte Hände sind ja keine Kleinigkeit.

 

Von Milchflaschen umgeben, eingezäumt

von Joghurt und Käse. Im Gefrierfach die

Alpträume eingesperrt. Zwischen den

 

Eiswürfeln und der Fertigpizza liegen sie gut

gebettet. Der Zauber dahin. Unter der

Bettdecke große Finsternis.